„Ich will alles. Nur nicht so ganz.“

Sprung

„Vegan würde ich ja schon gerne mal ausprobieren, aber ich mag Fleisch so gerne. Das muss ja voll hart sein!“
„Ein bis zwei Jahre im Ausland wären schon geil, aber dafür muss man so viel planen. Wahrscheinlich klappt das sowieso nicht.“
„Eigentlich hätte ich gerne eine Beziehung, aber single zu sein ist so bequem. Da muss ich keine Kompromisse eingehen.“

Fast jeden Tag nehmen wir uns Dinge vor, die wir tun oder erreichen wollen. Egal, ob das nur Kleinigkeiten sind, die auf einem Klebezettelchen als To Do-Liste abgehakt werden, oder Dinge, von denen wir glauben, dass sie unser ganzes Leben verändern könnten. Was auch immer wir machen wollen, dieser gute Wille alleine reicht oft nicht.

Wäre er wirklich stark genug, würden wir sofort unsere Koffer packen und auswandern. Wir würden uns sofort hinsetzen und einen Business-Plan erstellen, um diese Firma zu gründen, die uns schon so lange vorschwebt. Vielleicht würden wir aber auch einfach nur zum Hörer greifen und diesen Friseur-Termin machen, mit dem wir seit einiger Zeit gespielt haben.

Ja, wir wollen das alles schon. Irgendwie. Doch jedes Vorhaben erfordert Durchsetzungskraft, Engagement und Motivation. Manchmal braucht es aber vor allem den Sprung ins kalte Wasser. Aber das Wasser ist meistens kalt und so dunkel, dass wir nicht bis auf den Grund sehen können. Wir wissen nicht, was dort unten auf uns lauert. Entweder lohnt es sich, oder wir haben uns einfach nur von oben bis unten nass gemacht.

Ich habe auch schon mit vielen Ideen herumgespielt: Veganismus Sportarten, Sprachen, Beziehungen, und so weiter. Ich habe von vielem ein bisschen was gemacht, von allem etwas mitgenommen, aber nichts mit voller Überzeugung durchgezogen. Ich bin nicht vegan. Ich bin auch kein Yoga-Guru. Eine meiner bisher wohl größten Verfehlung: mein Japanisch könnte um Welten besser sein, wenn ich mehr „commitment“ gezeigt hätte.

Oft hat es an dem entscheidenden Biss gefehlt. Anstatt mich durch schwierige Phasen durchzubeißen und erst recht volle Power zu geben, habe ich irgendwann mehr oder weniger das Handtuch geworfen und halbherzig weitergemacht – manchmal auch aufgegeben. Ich wollte das alles schon. Aber nicht so ganz. Nicht mit dem Aufwand, der damit verbunden ist. Dabei ist es doch eigentlich eines der höchsten Ziele im Leben, oder nicht? Etwas zu haben, dem man sich mit Leib und Seele verschrieben hat.

Ich könnte es an dieser Stelle ruhen lassen und sagen: „Hey, kein Ding. Vielleicht habe ich einfach nur noch nicht das richtige gefunden.“ Ich kann aber auch genau so gut fragen, warum ich nicht dazu in der Lage bin wirklich ernst zu machen. Auf einen Grund warum man etwas tun sollte, folgen gefühlt 10 reale und eingebildete Befürchtungen, die einem die Idee wieder ausreden wollen.

Am Ende gibt es wohl kaum eine universell gültige Lösung für dieses Problem. Ab und an muss man sich halt etwas durchbeißen oder sich diesen letzten, entscheidenden Ruck geben, um etwas zu machen. Wenn es nicht klappt, war es vielleicht von Anfang an nicht der richtige Weg für einen. Das Leben ist kein Ponyhof. Nichts ist immer nur leicht, aber es sollte sich wenigstens richtig anfühlen.

Während es also sehr erfüllend sein kann etwas zu haben, in das man all seine Energie investiert, weil man es gerne macht, ist es genau so wichtig sich auszuprobieren ohne von Anfang an zu hohe Erwartungen an sich zu stellen. Nicht alles wird zwangsläufig für dich das nächste große Ding. Nur manchmal ist da dieses Gefühl. Da kribbelt es einem schon in den Fingerspitzen, allein wenn man daran denkt. Im Kopf formt sich ein ungewöhnlich klares Bild davon wie es sein könnte; und dieses Bild ist der Wahnsinn!

Also, um Himmels Willen: Wenn du auch nur im entferntesten das Gefühl hast, dass etwas richtig geil werden könnte, dann mach‘ es auch! Wenn es nicht klappt, geht das Leben trotzdem weiter, aber du beißt dir später umso mehr in den Hintern, wenn du es nicht wenigstens versucht.

Ran an die Buletten und nicht kleckern, klotzen!

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