Weggabelungen

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In Anlehnung an meinen Post “Ich will alles. Nur nicht so ganz.”

Jeder weiß, dass das Leben nicht immer nach Plan verläuft und vor allem, dass der Weg nicht nur eine gerade Strecke ist. Immer wieder müssen wir stehen bleiben und uns die Optionen ansehen, die vor uns liegen. Manchmal sind es nur zwei. Manchmal sind es mehr. Und manchmal würden wir einfach am liebsten umdrehen und wieder zurücklaufen.

Denn jeder Schritt, den wir gehen, ist von Bedeutung und jede Entscheidung, die wir treffen, ebnet den Weg für einen neuen Teil unserer Geschichte. Und dieser Teil ist nur eine von unendlich vielen Möglichkeiten, wie wir unser Leben leben könnten. Ich persönlich tue mich mit Entscheidungen immer sehr schwer. Selbst wenn ich im Supermarkt stehe und zwischen zwei nahezu identischen Kartoffelsäcken entscheiden muss, zermartere ich mir den Kopf darüber, welchen ich nehmen soll. Nicht, dass davon mein Überleben abhängt, doch ich bezahle immerhin Geld für diesen ollen Kartoffelsack!

Es gibt aber auch Entscheidungen, die weitaus wichtiger sind und die tatsächlich Auswirkungen auf den Verlauf unseres Lebens haben – selbst wenn es nur temporär ist. In einer idealen Welt verlässt man als Student die Uni und steigt sofort in das Berufsleben ein. Wir müssen nicht zurück zu unseren Eltern ziehen. Wir müssen uns nicht arbeitslos melden und wir müssen uns auch nicht monatelang nur von Instant-Nudeln ernähren.

Leider scheint diese Rechnung in den seltensten Fällen und auch nur bei hochorganisierten, hochintelligenten Leuten mit einem „seriösen“ Studium zu funktionieren. Wir Geisteswissenschaftler müssen da schon etwas erfinderischer werden. Wir können alles machen, oder eben nichts. All das hängt davon ab, was mir aus dem machen, das uns gegeben wurde. Zwei Menschen, die genau das gleiche studiert haben, können zwei vollkommen unterschiedliche Karrieren einschlagen, einfach nur, weil sie zwei unterschiedliche Wege genommen haben. Und da hört es mit den Entscheidungen natürlich auf. „Wo will  ich leben?“ „Soll ich mich am Samstag wirklich mit diesem Kerl treffen, der mich an der Kasse im REWE angesprochen hat?“ „Und was soll ich heute Abend essen??

Schon die letzte Frage reicht manchmal aus, um mich dazu zu bewegen, mich in Fötus-Stellung zu begeben und lieber zu hungern, als eine der Möglichkeiten, die mir offen stehen, tatsächlich in Erwägung zu ziehen. Die Verantwortung ist einfach zu groß!

Doch irgendwann muss man sich entscheiden. Also lieber rechts oder links? Nudel-Auflauf mit extra Käse oder doch der ach so gesunde Salat? Als Freund von Listen mache ich zumindest mental immer gerne eine Liste mit den Vor- und Nachteilen meiner diversen Möglichkeiten. Hin und wieder höre ich aber auch auf das, was mein Bauchgefühl mir sagt. Dabei ist es eigentlich fast egal, mit welcher Methode man sich entscheidet. Wir wissen nie, zu welchem Ergebnis sie führt und ob es uns am Ende gefallen wird oder nicht. Mit diesem Ergebnis müssen wir dann so oder so leben. Ob es uns auf lange Sicht wirklich glücklich macht, erfahren wir ohnehin erst, wenn es eigentlich schon „zu spät“ ist. Doch je länger wir stehen bleiben und uns die Haare raufen, weil wir uns nicht entscheiden können, desto schlimmer wird es.

Wenn für mich eine wichtige Entscheidung ansteht, schwebt sie permanent wie ein Damokles-Schwert über meinem Kopf. Wirklich entspannen ist da dann nicht drin, weil ich an nichts anderes mehr denken kann. Ich will diesen riesigen Block aus dem Weg schieben. Nur fehlt manchmal die Kraft dazu.

Aber warum nicht einfach warten, bis irgendwas passiert? Weil ich mir zumindest nicht den Vorwurf machen will, dass ich mich nicht ausreichend mit meinen Möglichkeiten auseinander gesetzt habe. Außerdem können wir nicht unser Leben lang erwarten, dass andere unsere Entscheidungen fällen.

Deshalb also lieber mal in den sauren Apfel beißen und eine unangenehme Entscheidung früh fällen, als sie tage- oder gar wochenlang vor sich her zu schieben. Denn von selbst wird sie weder verschwinden, noch wird sie dadurch leichter (zumindest in der Regel nicht).

An dieser Stelle sollte ich mal ehrlich sein und dass, dass ich ein Profi darin bin, Menschen Verhaltensweisen ans Herz zu legen, die ich selber nicht beherzige. Und ich schiebe Entscheidungen auch heute noch gerne vor mir her. Doch ich gebe hiermit ein großes Indianer-Ehrenwort: Ich gelobe Besserung! Schließlich sollte ein Mensch ab einem gewissen Alter sein Leben in die eigenen, gierigen Griffel nehmen, nicht wahr?

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