Die schönste Jahreszeit ist zurück

HerbstViele von euch trauern dem Sommer wahrscheinlich schon seit Wochen hinterher. Es wird jetzt merklich früher dunkel. Es ist kalt, wenn man morgens das Haus verlässt und viele Bäume sind jetzt schon so gut wie kahl. Und wenn man es so betrachtet sind die Aussichten für die kommenden Monate tatsächlich ziemlich deprimierend.

Jedoch nicht für mich, denn der Herbst ist mit Abstand meine liebste Jahreszeit. Ich liebe es, auf dem Sofa eingekuschelt zu sein, wenn es draußen richtig usselig ist und ich liebe Herbstspaziergänge, bei denen das Laub unaufhörlich unter den Schuhen raschelt. Dem Sommer konnte ich nie wirklich viel abgewinnen. Zu heiß, zu wenig bedeckte Körperteile, zu viele Insekten. Ich bin halt kein Sommer-Sonne-Strand-Kind. Ins Freibad zu gehen, hat mich nie so gereizt, wie einfach nur gemütlich ein Buch zu lesen.

„Im Herbst stirbt alles.“

Meine Mutter, die den Sommer sehr liebt, sagt immer, dass der Herbst die Zeit ist, in der alles stirbt. Bereits Wochen bevor der Herbst überhaupt richtig anfängt, sagt sie bei unseren Spaziergängen mit den Hunden jedes Mal: „Es sieht schon richtig herbstlich aus.“ dann fange ich jedes Mal an mich zu freuen wie ein Schneekönig und ernte dafür einen Blick puren Unverständnisses.

Dabei ist der Herbst wie mein Seelenverwandter, wenn es so etwas  unter den Jahreszeiten gibt. Ich mag diese leichte Melancholie, die in der Luft liegt und die einen zum Nachdenken und Reflektieren anregt. Schon in der Schule habe ich mir vorgestellt, wie ich in meinem früheren Leben im 19. Jahrhundert mit locker hochgestecktem Haar an meinem Schreibtisch vor dem Fenster sitze, während der Wind den Regen gegen die Fensterscheibe peitscht. Natürlich schreibe ich einen Gruselroman und natürlich spielt sich das ganze in England ab. Alternativ schreibe ich einen verzweifelten Liebesbrief an den Sohn des Earl of Schlagmichtot, der absolut nicht in meiner Liga spielt.

Der Herbst ist halt das perfekte Setting für jegliches dramatisches Szenario (Wuthering Heights lässt grüßen – grauenhaftes Buch!). Gerade deshalb fangen vor allem in dieser Jahreszeit meine kreativen Säfte wieder an zu sprudeln. Geschichten und Gedanken kommen dann wie von selbst. Der Sommer hingegen ist für mich die Zeit der Faulheit, fast schon der Lathargie. Er inspiriert mich in der Regel nur mäßig, denn meistens ist es für mich viel zu heiß, um zu denken, geschweige denn etwas zu tun.

Keine Bauarbeiterdekolletés mehr!

Man darf mich jetzt gerne oberflächlich nennen, aber der Herbst hat für mich noch einen weiteren, immensen Pluspunkt: weil die Menschen aufgrund der sinkenden Temperaturen wieder mehr anziehen müssen, muss ich weniger Dinge sehen, die ich eigentlich nicht sehen will. Keine Bauarbeiterdekolletés mehr, keine halbnackten, jungen Mädels, die in Sachen rumlaufen, in denen ich meine imaginären Kinder im Leben nicht auf die Straße lassen würde, weil es eine Beleidigung für das menschliche Auge und das weibliche Selbstwertgefühl wäre.

Besonders witzig ist in dieser Hinsicht gerade die Übergangszeit, in der keiner wirklich weiß, was er anziehen soll. Es ist kein wirklicher Sommer mehr, aber so richtig kalt ist es eigentlich auch noch nicht. Während die einen aber schon den Wintereinbruch erwarten und den dicken Daunenmantel ausgepackt haben, laufe andere noch in kurzer Hose durch die Stadt. Und ich stehe in meiner Übergangsjacke mit einem Tee dazwischen und beömmel mich.

Autumn is comin‘, baby! Und ich könnte darüber nicht glücklicher sein.

Und welche Jahreszeit ist dein Seelenverwandter?

 

 

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Wer nichts investiert, bekommt nichts zurück (Pseudo-Podcast #2)

InvestitionEs gibt für jede Situation im Leben einen passenden Spruch. Meistens wird er von Außenstehenden abgelassen, wenn man ihnen von seinen Problemen erzählt. Einer meiner „Favoriten“ ist:

Von nix kommt nix.

Erste Reaktion? Wahrscheinlich ein genervtes Augenrollen. Das Problem bei diesen Sprüchen? Wir wollen sie nicht nur nicht hören, weil sie abgedroschen und manchmal ziemlich kitschig sind; oft sind sie auch noch verdammt wahr. Sie treffen einen Nerv, weil sie unser Problem so vereinfacht und altklug darstellen, dass es weh tut. Gerade dieses „Von nix kommt nix“ hat mich in letzter Zeit unglaublich beschäftigt.

Oft sehen wir all diese erfolgreichen Menschen, egal ob privat oder in den Medien und wir fragen uns: „Wie hat er/sie das nur gemacht?“ und manchmal kommt da auch der alte Freund Neid ganz kräftig durch, der ihnen den Erfolg nicht gönnt. Es wirkt, als hätten sie über Nacht Karriere gemacht und sonst nichts dafür getan.

Nur selten sehen wir, welcher immense Aufwand neben einem Quäntchen Glück eigentlich dahinter steckt. Denn die Sache ist die: Man muss im Leben immer etwas investieren, um auch etwas zu bekommen. Dabei ist es egal, ob es darum geht Geld, Zeit oder Aufwand zu investieren. Bei besonders großen Projekten muss man auch regelrecht alles geben. Wer den ganzen Tag nur auf dem Sofa sitzt und Netflix guckt, braucht sich nicht wundern, wenn er im Leben sonst nicht viel erreicht.

Nichtstun ist einfach, bringt aber auch nichts

Ich selbst kann mich von diesem Verhalten nicht freisprechen. Ich liebe es, auf der Couch rumzugammeln und im Grunde nichts zu tun, doch mittlerweile wird mir fast schlecht, wenn ich überlege, was ich in all diesen Stunden die letzten Jahre hätte erreichen können. Ich habe abgesehen vom nötigsten – sprich dem, was die Uni von mir verlangt hat – kaum etwas in mich investiert. Ich habe mich nur wenig weitergebildet, nur wenig private Projekte verfolgt. Wenn ich Leute in meinem Alter gesehen habe, die sich schon als Jungunternehmer bezeichnen konnten, hatte ich das Gefühl, dass ich mein eigenes Potenzial nie wirklich ausgeschöpft habe.

Weil es einfacher ist, nichts zu tun. Es ist einfacher die Hände in den Schoß zu legen und sich hin und wieder ein wenig zu beschweren, als die Ärmel hochzukrempeln und in die Projekte zu investieren, die einem im Kopf herumschwirren.

Und selbst wenn wir uns aufraffen können, so wissen wir im Vorfeld nicht, ob sich die Investition auch lohnen wird. Was, wenn wir alles geben und nichts dafür zurück bekommen? Mittlerweile sehe ich es so: Wir bekommen immer irgendwas zurück. Und wenn es nicht das ist, was wir uns erhoffen, dann sind wir zumindest um Erfahrungen reicher, die uns langfristig trotzdem weiterbringen.

Wenn wir trotz Schweiß und Tränen an etwas scheitern, ist diese Erfahrung immer noch mehr wert, als es vor lauter Angst gar nicht erst zu versuchen. Man kann keine Sprache lernen ohne Vokabeln und Grammatik zu pauken. Man bekommt kein Zertifikat ohne die Prüfung dafür abzulegen. Wer nichts investiert, bekommt nichts zurück.

2. Binsenweisheit: Man kann nicht alles haben

Natürlich bedeutet das auch, dass man Abstriche machen muss: Ich kann nicht den ganzen Tag Downton Abbey gucken und gleichzeitig meinen Gehirnschmalz für Texte wie diesen hier anstrengen (Herzlichen Glückwunsch an die Leute, die das können).  Und wenn ich plane, einen Kurs zu besuchen, von dem ich weiß, dass er mich in meiner persönlichen Weiterentwicklung unterstützen wird, werde ich nicht nur meine Zeit, sondern wohl auch mein Geld investieren müssen.

Das wichtigste, was ich bei meinem aktuellen Wissensstand mitnehme, ist die Erkenntnis, dass wir uns dessen bewusst werden müssen, wo wir langfristig im Leben stehen wollen und mehr in die Faktoren zu investieren, die uns diesem Ziel näherbringen. Das kann bedeuten, dass man weniger Zeit auf Social Media verbringt, aber dafür diese Zeit aufwendet, um sich einen Podcast, zu einem Thema, das einen beschäftigt, anzuhören. Oder es bedeutet, dass man mal nicht die ganze Nacht durchfeiert und stattdessen früh aufsteht und eine Runde laufen geht.

Investiere dich und deine Ressourcen, auch wenn du nicht weißt, wie das Ergebnis sein wird und traue dich, einfach mal mehr zu geben, als du es bisher gegeben hast. Nur so kannst du Dinge bewegen.

Keinen Plan für dein Leben? Voll okay!

Unentschlossen

Jeder von uns hatte wahrscheinlich diese eine Person in der Klasse, die scheinbar schon immer wusste, was sie aus ihrem Leben machen will; die gezielt daran arbeitete und dieses Ziel auch erreichte oder nun kurz davor steht. Diese Zielstrebigkeit habe ich immer bewundert, weil sie diese Menschen so erwachsen wirken ließ. Also hätten sie ihr Leben einfach im Griff.

Ich hingegen war schon immer eher das Fähnchen im Wind, das tat, was ihm gerade in den Sinn kam und was ihm halt gerade so gefiel. Einen Plan für mein Leben hatte ich also nie.

Deshalb hatte ich nie etwas, worauf ich hinarbeiten konnte. Als ich mein Abitur  2010 gemacht habe, hatte ich keine Ahnung von nichts – keine Vorstellung davon, was ich mit mir machen sollte. Studieren wollte ich schon, aber was? BWL? Weil es jeder tat und anscheinend eine sichere Bank ist? Dabei habe ich es doch gar nicht so mit Zahlen.

Am Ende entschied ich mich für ein Studium, bei dem die Chancen, in dem Bereich später auch zu arbeiten, schwindend gering waren. Ein Fach bei dem ich mir dafür sicher war, dass ich mich zumindest nicht in jeder Vorlesung bekotzen würde, weil ich es hasste.

Von Asienwissenschaften zum Finanzverlag

Ich studierte Asienwissenschaften. Eines, dieser typischen Fächer, bei dem sämtliche entfernten Verwandten auf jeder Familienfeier entgeistert fragen: „Und was macht man dann damit?“ Ich erzählte ihnen das übliche: Dolmetscherin, Auslandsreferenz, etc. Es war eine einstudierte Antwort, um die lästigen Fragen der Anderen abzuwimmeln. Denn die Sache war die: Ich wusste in etwa, was man generell damit machen kann, aber ich wusste nie, wo ich mich dabei sah. Und das empfand ich als noch lästiger.

So zog ich auch mein Studium recht planlos durch und kam recht bald zu der Erkenntnis, dass ich aller Wahrscheinlichkeit einen Abschluss in einem Gebiet erlangen würde, in dem ich nie arbeiten würde. Mein Fokus im Leben hatte sich einfach geändert. Ich sah mich  beruflich nicht mehr als „Asienwissenschaftlerin“. Ich wusste aber auch nicht, wo ich mich sonst sah.

Meine Nebenjobs waren im hiesigen Studentensekretariat und anschließend im Verkauf/Store-Management im Food-Bereich. Im Prinzip also alles wild durcheinander gewürfelt. Ich hatte halt nie einen Plan und bin nun in einem Finanzverlag gelandet, was ich erst recht niemals gedacht hätte und was mich gleichzeitig mehr erfüllt, als ich jemals gedacht hätte.

Deine Entscheidungen bestimmen nur einen Abschnitt deines Lebens

Was ich mit dieser extrem langen/langweiligen Einleitung sagen will, ist folgendes: Es gibt Leute, die ihr ganzes Leben durchplanen und ein Ziel nach dem nächsten von ihrer Liste streichen. Es gibt aber auch Leute wie mich und vielleicht auch dich, die nie wirkliche Pläne hatten und von einem Blatt zum nächsten springen. Und auch das ist vollkommen okay!

Gerade in der Schule wollen einem alle Erwachsenen einreden, dass die Entscheidung, was man studiert oder welche Ausbildung man macht, entscheidend für das komplette weitere Leben ist. Ich sage: Dem ist nicht so. Zumindest nicht mit dieser Dramatik, wie es einem in diesem Moment erscheint. Auch wenn man glaubt, den Grundstein für sein ganzes Leben mit dieser einen Entscheidung zu legen, so entscheidet sie nur über die Voraussetzungen für einen Lebensabschnitt. Was danach kommt, weiß kein Mensch!

Manche Leute merken nach 20 Jahren im Job, dass ihre eigentliche Berufung eine ganz andere ist. Oder man realisiert, dass dieses Ziel, auf das man Jahre hingearbeitet hat, einem nicht mehr so wichtig ist. Es kann einen jederzeit treffen.

Sich flexibel dem Leben und seinen Möglichkeiten anpassen

Deshalb sollte man sich auch nicht so stressen, wenn man z.B. in der Schule noch nicht weiß, in welchem Beruf man sich für den Rest seines Lebens sieht. Nichts ist für die Ewigkeit. Nichts ist in Stein gemeißelt. Das mag einerseits beunruhigend klingen, weil das eine ständige Instabilität bedeutet; ich würde es aber eher Flexibilität nennen. Hätte mir mein Studium nicht gefallen, hätte ich mich jederzeit umorientieren können. Und auch wenn mich mein aktueller Beruf irgendwann nicht mehr erfüllt, kann ich kündigen und ein neues Kapitel beginnen.

Keinen Plan zu haben, hat mich offener für Möglichkeiten gemacht, die ich andernfalls nicht erwogen hätte. Ich habe meine Fähigkeiten in Gebieten ausgeschöpft, die ich vorher nicht bedacht hätte und neue Kompetenzen entwickelt. Dafür bin ich dankbar.

Generell bin ich natürlich dafür, dass man jegliche Pläne und Träume, die man hat, auch verfolgt. Das Leben ist zu kurz für die ständige Was-wäre-wenn-Fragerei. Aber es ist auch zu kurz, um sich unnötig zu stressen, wenn man nunmal keinen konkreten Plan hat. Am Ende kommt meistens alles zusammen, denn das Glück findet sich auf so vielen unterschiedlichen Wegen. Und jeder geht seinen eigenen Weg auf seine eigene Weise.

Wenn du keinen Plan hast, sei offen für das Leben und die Möglichkeiten, die es dir bietet. Nutze sie und schaue, wo sie dich hinführen. Wenn du schon einen Plan hast, dann verfolge ihn, aber sei achtsam dabei und setze keine Scheuklappen auf, die dir den Blick für neue Chancen nehmen.

 

Du bist deines Glückes Schmied

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Als Jugendliche habe ich viel Zeit dafür aufgewendet, unangepasst zu sein. Ich habe mir mein Lippenpiercing stechen lassen, die Haare schwarz gefärbt – überhaupt war da sehr viel schwarz involviert – und Musik angehört, die außer mir keiner mochte. Es ging mir nicht primär darum, ein Ehrenmitglied im „Special-Snowflakes-Club“ zu werden, sondern ich fand es schön, in meiner eigenen Welt zu leben und einfach nur das zu tun, was mir gerade Spaß macht. Dass die meisten meiner Klassenkameraden damit nichts anfangen konnten, kümmerte mich nicht und auch dass ich mich dadurch in gewisser Weise von ihnen distanzierte.

So hundertprozentig egal war es mir dennoch nicht, was sie über mich dachten; zumindest, was den Unterricht angeht. Ich war schweigsam, aus Angst, mich mit falschen Antworten zu blamieren und das hat mir meine Abitur-Note am Ende etwas zerschossen. Und auch so habe ich mich selten in etwas eingemischt, auch wenn ich vielleicht anderer Meinung war als meine Klassenkameraden. Wirklich lösen konnte ich mich von ihrer Meinung also nie.

Das ist ein Zwiespalt, den wohl die meisten Leute mit sich ausfechten müssen. Auf der einen Seite möchte man sich abheben und sein eigenes Ding durchziehen. Auf der anderen Seite möchte man aber auch anerkannt und gemocht (oder wenigstens nicht abgelehnt) werden. Die wenigsten Leute, die ich kenne, scheißen – auf gut Deutsch gesagt – wirklich auf das, was andere über sie sagen. Diese Kompromisslosigkeit finde ich bewundernswert, solange man seine Mitmenschen nicht vollkommen vergisst.

Du bist für dich selbst verantwortlich

Die meisten von uns vergessen aber, dass wir selbst unser Glückes Schmied sind undn icht „die anderen“. Wenn wir nicht die Dinge tun, die wir tun müssen, um glücklich und erfolgreich zu sein, nur weil uns die Meinung anderer so wichtig ist, dann blockieren wir uns selbst. Das habe ich damals in der Schule mehr als genug miterlebt. Privat konnte ich mich in meiner Persönlichkeit ausleben, doch beim Thema Schule hemmte mich meine Angst extrem. Deswegen habe ich mein Potenzial nie ganz entfaltet.

Vor allem in den letzten Monaten ist mir mehr und mehr bewusst geworden, wie wichtig es ist, selbst die Zügel in die Hand zu nehmen und einfach mal zu machen, ohne sich darum zu scheren, was andere davon halten könnten:

Du hast eine Idee und willst ein Unternehmen gründen? Dann krieg‘ deinen Arsch hoch und mach es. Du willst dir ein Tattoo stechen lassen? Warum auch nicht. In ein paar Jahrzehnten werden fast alle unserer Kumpels im Altenheim tättoowiert sein. Du willst alleine eine Reise machen? Ja, warum auch nicht? Jeder muss seine eigenen Erfahrungen im Leben machen, um weiter zu kommen, sein eigenes Lehrgeld dafür bezahlen.

Menschen im Leben kommen und gehen, und wenn sie einen ablehnen wegen der Dinge, die man tut, dann sind sie einfach nicht diejenigen, die man in seinem Leben haben sollte. Wenn du die Dinge tust, die für dich richtig sind, ziehst du auch die Menschen an, die für dich richtig sind.

Das klingt im ersten Moment einfach, aber selbst ich weiß, dass es das nicht zwingend ist. Ich selbst werde nie jemand sein, der anderer Leute Meinungen einfach ausblenden kann, aber ich kann mir nach und nach Teile von mir zurückerobern und die konstruktive Kritik, die ich auf meinem Weg bekomme, nutzen um weiter zu wachsen.

Auf die innere Stimme hören

Es ist kein Neujahrsvorsatz, den ich erst 2018 umsetzen will, sondern mit sofortiger Wirkung: Ich will tiefer in mich hineinhorchen und herausfinden, was ich will. Was ich tun muss, um glücklich zu sein und danach zu handeln, auch wenn nicht alle meiner Mitmenschen das verstehen.

Ich kann mich einfach nur wiederholen: Wir sind unseres Glückes Schmied und wenn wir nicht endlich die Verantwortung dafür übernehmen, dann wird das niemand tun.  Mach dich frei von deinen Ängsten und nimm‘ dein Leben selbst in die Hand – nicht für andere, sondern für dich.

Weltenbummler oder Gewohnheitstier?

WeltenbummlerHeutzutage ist Reisen glücklicherweise einfacher als jemals zuvor – und viele Menschen machen davon regelmäßig Gebrauch. Dabei gibt es die unterschiedlichsten Reisetypen. Während manche Menschen am liebsten so viele Länder wie möglich abklappern und gefühlt schon auf der ganzen Welt unterwegs gewesen sind, fahren andere seit Jahren immer wieder zum gleichen Ort, gehören dort quasi schon zum Inventar.

Ich selbst hatte schon von klein auf das Glück, dass meine Familie gerne reiste. Meine erste richtige Reise ins Ausland war mit meiner Mutter nach Bulgarien, als ich noch im Kindergarten war. Es folgten Länder wie Tunesien, Zypern, Korfu, Portugal und (natürlich) Mallorca – auch wenn letzteres für viele eher ein 17. Bundesland ist. Als ich alleine mit Freunden reisen durfte, folgten Frankreich, England, Schottland, Südkorea und Japan. Mein letztes Reiseziel war die wunderschöne Insel Madeira.

Man kann also schon sagen, dass ich ein bisschen rumgekommen bin, auch wenn ich mich noch nicht als Globetrotter bezeichnen würde. Es gibt noch immer viel zu viele Länder, die ich gerne besuchen möchte. Ich würde sogar sagen, dass die Liste immer länger, denn kürzer wird.

Und trotzdem zieht es mich immer wieder an Orte zurück, die ich schon einmal besucht habe.

Es hat einen besonderen Reiz, einen Ort zum ersten Mal zu erleben. Man kennt sich noch nicht aus, muss erst seinen Weg finden. Es ist eine aufregende Erfahrung und diese ersten Erinnerungen sind meist mit diejenigen, die am besten im Kopf hängen bleiben.

Doch ich liebe auch das Gefühl, einen Ort irgendwann so gut zu kennen, dass es sich fast so anfühlt, als würde man nach Hause kommen, wenn man ihn besucht. Man weiß, wo die besten Restaurants sind. Man muss sich nicht mehr um die Touristen-Attraktionen kümmern, sondern kann einfach vor sich hin leben, als würde man dazugehören. Dennoch muss einen das nicht davon abhalten, neues zu erleben.

Mittlerweile war ich schon drei Mal in Seoul, der Hauptstadt Südkoreas. Für viele mag diese Stadt nicht sehr interessant sein – asiatische Großstadt halt, doch ich fühle mich dort unglaublich wohl und denke beinahe täglich voller Wehmut an meinen letzten Trip dorthin im Sommer 2015.

Ich habe mein Lieblingsviertel, meinen Lieblingsclub, kenne viele von den kleinen Straßen und weiß, wo die guten Cafés und Restaurants sind. Ich kann die U-Bahn benutzen, ohne vorher zehnmal darüber nachzudenken, ob das die richtige Linie in die richtige Richtung ist. In Seoul anzukommen, ist für mich ein Stück weit nach Hause zu kommen.

Vielleicht liegt es daran, dass ich ohnehin ein Gewohnheitstier bin und meine Routinen sehr schätze. Ich mag alles, was mir vertraut ist und gehe gerne in meiner Komfortzone auf. Das mag für den einen oder anderen, der gerne neues entdeckt, grausam sein, weil es irgendwo einen Stillstand bedeuten kann und einen von neuen Erfahrungen abhält. Doch für mich ist es ein wunderbares Gefühl sozusagen ein zu Hause in einem anderen Land zu haben.

Ich könnte mir mittlerweile gut vorstellen für einen Tapetenwechse alleine dorthin zu fliegen und einfach nur vor mich hin zu leben, vielleicht an kreativen Projekten zu arbeiten und die Stadt zu genießen. Alles ganz entspannt und ohne Touri-Stress.

Aber so sehr es mich auch in meiner angeborenen Nostalgie an alte Orte zurückzieht, fast genau so gerne schaue ich nach vorne und stelle mir die Länder und Städte vor, die ich noch nicht selbst erlebt habe. Sie umgibt noch eine gewisse Mystik, sind unbekannt und voller Geheimnisse, die ich noch nicht entdeckt habe und die nur darauf warten, von mir aufgedeckt zu werden.

Diese Aufregung, wenn man aus einem Flugzeug steigt, ohne genau zu wissen, was einen erwartet, sich buchstäblich in einer fremden Kultur zu verlieren, ist unbeschreiblich.

Am Ende glaube ich, dass ich, wenn ich wirklich ehrlich zu mir bin, doch eher zu den Leuten gehöre, die mehr an den Reisezielen ihrer Vergangenheit hängen. Deshalb werde ich immer wieder zu ihnen zurückkehren. Gleichzeitig wäre mein Leben auch langweilig, wenn ich dem Reiz des neuen nicht von Zeit zu Zeit nachgeben würde.

Reisen bedeuten auch eine persönliche Weiterentwicklung und während es in der Komfortzone gemütlich und behaglich ist, entwickelt sich der Geist erst dann wirklich weiter, wenn er mit Dingen und Umgebungen konfrontiert wird, die er noch nicht kennt. Ich bin deshalb auch nicht der Meinung, dass Menschen, die viel Reisen ihre Zeit oder gar ihr Geld verschwenden.

Reisen – wo auch immer sie hinführen – bedeuten Lebensqualität und die möchte ich in meinem Leben auf keinen Fall missen. Egal, wohin sie mich führen.

Eine subtile Großstadt-Romantik

GroßstadtManchmal träume ich davon, wie ich einen Raum betrete. Es kann ein Club sein oder eine private Party. Der Raum ist nur schwach beleuchtet – für die Stimmung natürlich. Überall sind Menschen. Sie lachen, tanzen und unterhalten sich. Es ist laut und die Luft ein wenig schwül.

Ich lasse den Blick kurz über das Geschehen schweifen, auf der Suche nach bekannten Gesichtern. Und dann sehe ich ihn. Wir schauen einander an und müssen lächeln. Dabei kennen wir uns nicht einmal. Das ist er, dieser magische Moment. Langsam bahne ich mir einen Weg durch die Menge. Um mich herum sind Menschen, die einander schon gefunden haben – in Gespräche vertieft, oder sogar noch mehr. Er kommt mir entgegen bis wir einander direkt gegenüber stehen. Noch ein verlegenes Grinsen… und dann?

Es ist eine Szene wie aus einem typischen, urbanen Hollywood-Märchen. Eines dieser belanglosen Filmchen, die man sich hin und wieder auf Netflix anschaut, weil man nichts besseres zu tun hat. Also eigentlich weder besonders realistisch, noch etwas, das man als Film in den meisten Fällen wirklich ernst nehmen würde.

Und obwohl ich mir solche Filme gerne mal ansehe, würde ich mich privat im Leben nicht als besonders romantischen Menschen bezeichnen. Ich liebe Romantik bei anderen Menschen – oder halt im Film – aber nicht in meinem eigenen Leben. Keine selbst geschriebenen Gedichte und auch bitte keine kitschigen, öffentlichen Heiratsanträge.

Trotzdem ist da dieses „Mädchen-Mädchen“ in mir, das sich hin und wieder diesen Anflug plötzlicher, urbaner Romantik wünscht. DWie dieses sofortige Gefühl der engen Verbundenheit mit einem Fremden und das Wissen, dass diese andere Person etwas Besonderes sein könnte. Dabei denke ich noch nicht mal daran, in dieser Person die Liebe meines Lebens zu finden. Es geht nur um den Moment an sich. Ich stelle mir dann eher vor, dass schon ohne viele Worte dieses warme Kribbeln im Bauch aufkommt. Man versteht sich; man ist sich auf Anhieb sympathisch.

Vielleicht verbringt man die Nacht zusammen (auf welche Art auch immer). Vielleicht verabredet man sich aber auch erst für den nächsten Tag und geht mit dem Gefühl ins Bett, dass man gerne die ganze Welt umarmen möchte. Es gibt noch keine Verbindlichkeiten oder großen Visionen. Ein bisschen von dieser subtilen Romantik ist für mich das bisschen Medizin, das diese Welt ab und an braucht.

Im Gegensatz zu den ganzen Hollywood-Schmonzetten, die immer wieder die Kinos fluten, geht es hierbei nicht um das endgültige Happy End und das Einlaufen in den Hafen der Ehe. Es geht um kleine Momente, in denen die Luft anfängt zu knistern. Man vergisst alles um einen herum, lebt für kurze Zeit in dieser Blase, in der alles leicht, schön und aufregend ist.

Ich will kein Eigenheim mit Mann und Kind. Ich will nur ein bisschen von dieser flüchtigen Großstadt-Romantik, die einen überall und jederzeit ereilen kann. Ohne Verpflichtungen. Ohne Stress. Nur ein kurzes Auflodern der Gefühle, das dann langsam in der Nacht verglimmt.

Von laufenden Nasen und Hühneraugen

FüßeKürzlich bekam ich zum ersten Mal eine Pediküre. Es war das volle Programm: Hornhaut entfernen, Nägel trimmen und überflüssige Nagelhaut entfernen. Bei der Gelegenheit wurde mir auch gleich eröffnet, dass ich kurz davor bin, mir gleich mehrere Hühneraugen einzufangen, eigentlich orthopädische Einlagen in meinen Schuhen bräuchte und außerdem später einen Hallux kriegen werde. Und das, obwohl ich nicht einmal hohe Schuhe trage!

Es war ein wenig schockierend, aber gleichzeitig dachte ich mir auch, dass es eigentlich kein Wunder ist. Um meine Füße habe ich mich nie wirklich gekümmert. Die sind halt einfach da und stecken die meiste Zeit in lustigen, bunten Socken. Wirkliche Pflege habe ich ihnen nie angedeihen lassen, bis auf sporadisches Zehennägelschneiden und das Wegrasieren dieser fiesen Haare auf dem großen Zeh. Also, alles rein kosmetischer Natur.

Dabei haben sie diese Nichtachtung überhaupt nicht verdient. Schließlich müssen sie mich bis mich irgendwann das Zeitliche segnet durch mein Leben tragen. Doch nicht nur mit den Füßen bin ich nachlässig. Zum Arzt gehe ich eigentlich generell nicht, außer es geht wirklich gar nichts mehr, weil ich mich so elendig fühle – und damit bin ich nicht die einzige.

Statt auf Prävention setzen wir auf Schadensbegrenzung, wenn es eigentlich schon zu spät ist. Irgendwo ist es ja auch verständlich: gerade Arztbesuche sind lästig, teuer und die Sachen, die sie einem erzählen, will man eigentlich gar nicht wissen. Wer hört schon gerne, was mit einem alles nicht in Ordnung ist? Außerdem denkt man nicht darüber nach, sich um etwas zu kümmern, das auf den ersten Blick noch mehr oder weniger  intakt ist. Die Blumen werden meist auch erst dann gegossen, wenn die Erde schon knochentrocken ist.

Ich propagiere keineswegs dafür, dass wir alle jeden Monat zum Arzt rennen, aber dafür, mehr auf den eigenen Körper zu hören. Wenn wir merken, dass wir anfangen uns unwohl zu fühlen, ignorieren wir es in der Regel. Meist aus Pflichtgefühl und/oder weil wir glauben, dass es nur von kurzer Dauer ist und wir schnell wieder topfit sein werden.

Unser Körper ist unser Kapital und doch verzeihen wir ihm viel weniger als wir sollten. Wenn ein Freund oder guter Kollege sich nicht wohl fühlt, schicken wir ihn nach Hause damit er sich ausruht, aber wir selbst gönnen uns diese Ruhe nicht. Ich bin auch mehr als schuldig, was dieses Verhalten angeht: Lieber krümme ich mich stundenlang mit laufender Nase und dickem Kopf über meinem Schreibtisch, in der Hoffnung doch noch irgendwas zustande zu bekommen, als nach Hause zu gehen und mich anständig auszukurieren.

Lieber trägt man die Zahnschmerzen wochenlang mit sich herum, bis sie absolut unerträglich werden, als direkt zum Zahnarzt zu gehen. Lieber zwängt man sich in die viel zu engen Schuhe, weil sie ja so toll aussehen, als die armen Füße atmen zu lassen. Für solche Vernachlässigungen rächt der Körper sich früher oder später – und das zurecht.

Unsere Körper haben mehr als die kosmetische Behandlung von (vermeintlichen) Makeln verdient: mehr Rücksicht und mehr Fürsorge. Und weniger falschen Stolz – egal, ob es nur um laufende Nasen oder drohende Hühneraugen geht.