Die schönste Jahreszeit ist zurück

HerbstViele von euch trauern dem Sommer wahrscheinlich schon seit Wochen hinterher. Es wird jetzt merklich früher dunkel. Es ist kalt, wenn man morgens das Haus verlässt und viele Bäume sind jetzt schon so gut wie kahl. Und wenn man es so betrachtet sind die Aussichten für die kommenden Monate tatsächlich ziemlich deprimierend.

Jedoch nicht für mich, denn der Herbst ist mit Abstand meine liebste Jahreszeit. Ich liebe es, auf dem Sofa eingekuschelt zu sein, wenn es draußen richtig usselig ist und ich liebe Herbstspaziergänge, bei denen das Laub unaufhörlich unter den Schuhen raschelt. Dem Sommer konnte ich nie wirklich viel abgewinnen. Zu heiß, zu wenig bedeckte Körperteile, zu viele Insekten. Ich bin halt kein Sommer-Sonne-Strand-Kind. Ins Freibad zu gehen, hat mich nie so gereizt, wie einfach nur gemütlich ein Buch zu lesen.

„Im Herbst stirbt alles.“

Meine Mutter, die den Sommer sehr liebt, sagt immer, dass der Herbst die Zeit ist, in der alles stirbt. Bereits Wochen bevor der Herbst überhaupt richtig anfängt, sagt sie bei unseren Spaziergängen mit den Hunden jedes Mal: „Es sieht schon richtig herbstlich aus.“ dann fange ich jedes Mal an mich zu freuen wie ein Schneekönig und ernte dafür einen Blick puren Unverständnisses.

Dabei ist der Herbst wie mein Seelenverwandter, wenn es so etwas  unter den Jahreszeiten gibt. Ich mag diese leichte Melancholie, die in der Luft liegt und die einen zum Nachdenken und Reflektieren anregt. Schon in der Schule habe ich mir vorgestellt, wie ich in meinem früheren Leben im 19. Jahrhundert mit locker hochgestecktem Haar an meinem Schreibtisch vor dem Fenster sitze, während der Wind den Regen gegen die Fensterscheibe peitscht. Natürlich schreibe ich einen Gruselroman und natürlich spielt sich das ganze in England ab. Alternativ schreibe ich einen verzweifelten Liebesbrief an den Sohn des Earl of Schlagmichtot, der absolut nicht in meiner Liga spielt.

Der Herbst ist halt das perfekte Setting für jegliches dramatisches Szenario (Wuthering Heights lässt grüßen – grauenhaftes Buch!). Gerade deshalb fangen vor allem in dieser Jahreszeit meine kreativen Säfte wieder an zu sprudeln. Geschichten und Gedanken kommen dann wie von selbst. Der Sommer hingegen ist für mich die Zeit der Faulheit, fast schon der Lathargie. Er inspiriert mich in der Regel nur mäßig, denn meistens ist es für mich viel zu heiß, um zu denken, geschweige denn etwas zu tun.

Keine Bauarbeiterdekolletés mehr!

Man darf mich jetzt gerne oberflächlich nennen, aber der Herbst hat für mich noch einen weiteren, immensen Pluspunkt: weil die Menschen aufgrund der sinkenden Temperaturen wieder mehr anziehen müssen, muss ich weniger Dinge sehen, die ich eigentlich nicht sehen will. Keine Bauarbeiterdekolletés mehr, keine halbnackten, jungen Mädels, die in Sachen rumlaufen, in denen ich meine imaginären Kinder im Leben nicht auf die Straße lassen würde, weil es eine Beleidigung für das menschliche Auge und das weibliche Selbstwertgefühl wäre.

Besonders witzig ist in dieser Hinsicht gerade die Übergangszeit, in der keiner wirklich weiß, was er anziehen soll. Es ist kein wirklicher Sommer mehr, aber so richtig kalt ist es eigentlich auch noch nicht. Während die einen aber schon den Wintereinbruch erwarten und den dicken Daunenmantel ausgepackt haben, laufe andere noch in kurzer Hose durch die Stadt. Und ich stehe in meiner Übergangsjacke mit einem Tee dazwischen und beömmel mich.

Autumn is comin‘, baby! Und ich könnte darüber nicht glücklicher sein.

Und welche Jahreszeit ist dein Seelenverwandter?

 

 

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Weltenbummler oder Gewohnheitstier?

WeltenbummlerHeutzutage ist Reisen glücklicherweise einfacher als jemals zuvor – und viele Menschen machen davon regelmäßig Gebrauch. Dabei gibt es die unterschiedlichsten Reisetypen. Während manche Menschen am liebsten so viele Länder wie möglich abklappern und gefühlt schon auf der ganzen Welt unterwegs gewesen sind, fahren andere seit Jahren immer wieder zum gleichen Ort, gehören dort quasi schon zum Inventar.

Ich selbst hatte schon von klein auf das Glück, dass meine Familie gerne reiste. Meine erste richtige Reise ins Ausland war mit meiner Mutter nach Bulgarien, als ich noch im Kindergarten war. Es folgten Länder wie Tunesien, Zypern, Korfu, Portugal und (natürlich) Mallorca – auch wenn letzteres für viele eher ein 17. Bundesland ist. Als ich alleine mit Freunden reisen durfte, folgten Frankreich, England, Schottland, Südkorea und Japan. Mein letztes Reiseziel war die wunderschöne Insel Madeira.

Man kann also schon sagen, dass ich ein bisschen rumgekommen bin, auch wenn ich mich noch nicht als Globetrotter bezeichnen würde. Es gibt noch immer viel zu viele Länder, die ich gerne besuchen möchte. Ich würde sogar sagen, dass die Liste immer länger, denn kürzer wird.

Und trotzdem zieht es mich immer wieder an Orte zurück, die ich schon einmal besucht habe.

Es hat einen besonderen Reiz, einen Ort zum ersten Mal zu erleben. Man kennt sich noch nicht aus, muss erst seinen Weg finden. Es ist eine aufregende Erfahrung und diese ersten Erinnerungen sind meist mit diejenigen, die am besten im Kopf hängen bleiben.

Doch ich liebe auch das Gefühl, einen Ort irgendwann so gut zu kennen, dass es sich fast so anfühlt, als würde man nach Hause kommen, wenn man ihn besucht. Man weiß, wo die besten Restaurants sind. Man muss sich nicht mehr um die Touristen-Attraktionen kümmern, sondern kann einfach vor sich hin leben, als würde man dazugehören. Dennoch muss einen das nicht davon abhalten, neues zu erleben.

Mittlerweile war ich schon drei Mal in Seoul, der Hauptstadt Südkoreas. Für viele mag diese Stadt nicht sehr interessant sein – asiatische Großstadt halt, doch ich fühle mich dort unglaublich wohl und denke beinahe täglich voller Wehmut an meinen letzten Trip dorthin im Sommer 2015.

Ich habe mein Lieblingsviertel, meinen Lieblingsclub, kenne viele von den kleinen Straßen und weiß, wo die guten Cafés und Restaurants sind. Ich kann die U-Bahn benutzen, ohne vorher zehnmal darüber nachzudenken, ob das die richtige Linie in die richtige Richtung ist. In Seoul anzukommen, ist für mich ein Stück weit nach Hause zu kommen.

Vielleicht liegt es daran, dass ich ohnehin ein Gewohnheitstier bin und meine Routinen sehr schätze. Ich mag alles, was mir vertraut ist und gehe gerne in meiner Komfortzone auf. Das mag für den einen oder anderen, der gerne neues entdeckt, grausam sein, weil es irgendwo einen Stillstand bedeuten kann und einen von neuen Erfahrungen abhält. Doch für mich ist es ein wunderbares Gefühl sozusagen ein zu Hause in einem anderen Land zu haben.

Ich könnte mir mittlerweile gut vorstellen für einen Tapetenwechse alleine dorthin zu fliegen und einfach nur vor mich hin zu leben, vielleicht an kreativen Projekten zu arbeiten und die Stadt zu genießen. Alles ganz entspannt und ohne Touri-Stress.

Aber so sehr es mich auch in meiner angeborenen Nostalgie an alte Orte zurückzieht, fast genau so gerne schaue ich nach vorne und stelle mir die Länder und Städte vor, die ich noch nicht selbst erlebt habe. Sie umgibt noch eine gewisse Mystik, sind unbekannt und voller Geheimnisse, die ich noch nicht entdeckt habe und die nur darauf warten, von mir aufgedeckt zu werden.

Diese Aufregung, wenn man aus einem Flugzeug steigt, ohne genau zu wissen, was einen erwartet, sich buchstäblich in einer fremden Kultur zu verlieren, ist unbeschreiblich.

Am Ende glaube ich, dass ich, wenn ich wirklich ehrlich zu mir bin, doch eher zu den Leuten gehöre, die mehr an den Reisezielen ihrer Vergangenheit hängen. Deshalb werde ich immer wieder zu ihnen zurückkehren. Gleichzeitig wäre mein Leben auch langweilig, wenn ich dem Reiz des neuen nicht von Zeit zu Zeit nachgeben würde.

Reisen bedeuten auch eine persönliche Weiterentwicklung und während es in der Komfortzone gemütlich und behaglich ist, entwickelt sich der Geist erst dann wirklich weiter, wenn er mit Dingen und Umgebungen konfrontiert wird, die er noch nicht kennt. Ich bin deshalb auch nicht der Meinung, dass Menschen, die viel Reisen ihre Zeit oder gar ihr Geld verschwenden.

Reisen – wo auch immer sie hinführen – bedeuten Lebensqualität und die möchte ich in meinem Leben auf keinen Fall missen. Egal, wohin sie mich führen.

Von laufenden Nasen und Hühneraugen

FüßeKürzlich bekam ich zum ersten Mal eine Pediküre. Es war das volle Programm: Hornhaut entfernen, Nägel trimmen und überflüssige Nagelhaut entfernen. Bei der Gelegenheit wurde mir auch gleich eröffnet, dass ich kurz davor bin, mir gleich mehrere Hühneraugen einzufangen, eigentlich orthopädische Einlagen in meinen Schuhen bräuchte und außerdem später einen Hallux kriegen werde. Und das, obwohl ich nicht einmal hohe Schuhe trage!

Es war ein wenig schockierend, aber gleichzeitig dachte ich mir auch, dass es eigentlich kein Wunder ist. Um meine Füße habe ich mich nie wirklich gekümmert. Die sind halt einfach da und stecken die meiste Zeit in lustigen, bunten Socken. Wirkliche Pflege habe ich ihnen nie angedeihen lassen, bis auf sporadisches Zehennägelschneiden und das Wegrasieren dieser fiesen Haare auf dem großen Zeh. Also, alles rein kosmetischer Natur.

Dabei haben sie diese Nichtachtung überhaupt nicht verdient. Schließlich müssen sie mich bis mich irgendwann das Zeitliche segnet durch mein Leben tragen. Doch nicht nur mit den Füßen bin ich nachlässig. Zum Arzt gehe ich eigentlich generell nicht, außer es geht wirklich gar nichts mehr, weil ich mich so elendig fühle – und damit bin ich nicht die einzige.

Statt auf Prävention setzen wir auf Schadensbegrenzung, wenn es eigentlich schon zu spät ist. Irgendwo ist es ja auch verständlich: gerade Arztbesuche sind lästig, teuer und die Sachen, die sie einem erzählen, will man eigentlich gar nicht wissen. Wer hört schon gerne, was mit einem alles nicht in Ordnung ist? Außerdem denkt man nicht darüber nach, sich um etwas zu kümmern, das auf den ersten Blick noch mehr oder weniger  intakt ist. Die Blumen werden meist auch erst dann gegossen, wenn die Erde schon knochentrocken ist.

Ich propagiere keineswegs dafür, dass wir alle jeden Monat zum Arzt rennen, aber dafür, mehr auf den eigenen Körper zu hören. Wenn wir merken, dass wir anfangen uns unwohl zu fühlen, ignorieren wir es in der Regel. Meist aus Pflichtgefühl und/oder weil wir glauben, dass es nur von kurzer Dauer ist und wir schnell wieder topfit sein werden.

Unser Körper ist unser Kapital und doch verzeihen wir ihm viel weniger als wir sollten. Wenn ein Freund oder guter Kollege sich nicht wohl fühlt, schicken wir ihn nach Hause damit er sich ausruht, aber wir selbst gönnen uns diese Ruhe nicht. Ich bin auch mehr als schuldig, was dieses Verhalten angeht: Lieber krümme ich mich stundenlang mit laufender Nase und dickem Kopf über meinem Schreibtisch, in der Hoffnung doch noch irgendwas zustande zu bekommen, als nach Hause zu gehen und mich anständig auszukurieren.

Lieber trägt man die Zahnschmerzen wochenlang mit sich herum, bis sie absolut unerträglich werden, als direkt zum Zahnarzt zu gehen. Lieber zwängt man sich in die viel zu engen Schuhe, weil sie ja so toll aussehen, als die armen Füße atmen zu lassen. Für solche Vernachlässigungen rächt der Körper sich früher oder später – und das zurecht.

Unsere Körper haben mehr als die kosmetische Behandlung von (vermeintlichen) Makeln verdient: mehr Rücksicht und mehr Fürsorge. Und weniger falschen Stolz – egal, ob es nur um laufende Nasen oder drohende Hühneraugen geht.

Erinnerungen an eine Frau

Abschied

Als meine Oma am 28.01.2014 starb, war es das erste Mal, dass ich wirklich mit dem Tod konfrontiert wurde. Wenige Tage später ihr Bild neben einer Urne mit ihren Überresten zu sehen, war surreal. Die Rede, die der Sprecher hielt, war ein makaberer Witz. Es hätte auch ein vorgelesenes Xing-Profil sein können.

In letzter Zeit musste ich öfter an sie denken. Daran, wie sie war, bevor sie starb. Bevor der Krebs sich mit aller Kraft seinen Weg durch ihren Körper gebahnt hat.

Wenn ich mich an die Zeit vor alledem zurückerinnere, dann komme ich nicht umhin zu lächeln. Sie war die stilvollste Dame, die ich kannte. Die Haare immer perfekt in Form gebracht, die Nägel akkurat gepflegt.

Ich erinnere mich an Weihnachten. Wenn wir mittags alle zusammen in ihrem Wohnzimmer saßen und sie wieder ein Festmahl für uns alle gemacht hatte. Dabei stöhnten wir schon vor Erschöpfung auf, weil wir genau wussten, dass es am Abend bei Opa weitergehen würde. Sie waren schon lange nicht mehr miteinander verheiratet.

Ich erinnere mich besonders an jenes Weihnachten, als ich zum ersten Mal ihren selbst aufgebrühten Kaffee getrunken habe. 4-5 Tassen waren es bestimmt. Seitdem habe ich nie wieder Kaffee getrunken. Mein Papa wird sich noch gut daran erinnern.

Zwetschgenknödel. Die hat sie ein Mal gemacht und ich habe sie nie vergessen.

All die Filme, die ich mit ihr zusammen im Kino gesehen habe… „Casanova“, „Stolz und Vorurteil“.  Ich glaube nicht, dass „Per Anhalter durch die Galaxie“ oder „Star Wars: Episode 1“ besonders gut gefallen haben, aber sie hat tapfer durchgehalten.

Die Karten für viele der Vorstellungen habe ich noch immer.

Sie war eine tolle Frau. Anders kann man es einfach nicht sagen.

Umso mehr schmerzt mich die Erinnerung an die Zeit nach der Diagnose bis zu ihrem Tod. Und hin und wieder sind da diese Schuldgefühle: Ich hätte sie öfter besuchen sollen, mehr für sie da sein sollen. Aber ich hatte Angst. Ich wollte nicht das Bild von ihr verlieren, das ich all die Jahre in mir getragen hatte.

Ich wollte den Verfall nicht sehen.

Doch jedes Mal, wenn ich sie in dieser Zeit sah, war ein weiterer Teil der Frau, die ich so geschätzt hatte, verschwunden.

Es ist ein eigentümliches Gefühl zu sehen, was der Krebs aus Menschen, die vorher eigenständig und gesund waren, machen kann.

Wie er ihren Verstand nach und nach in eine dunkle, schwere Wolke hüllt und sie körperlich und geistig vollkommen abhängig von Pflegern und Verwandten macht.

Diese Macht, die er über den Menschen hat, ist so unglaublich wie erschreckend.

Jetzt, mit ein paar Jahren Abstand, denke ich immer weniger an die schweren Zeiten und mehr an die schönen Momente, die wir hatten. An den Kaffee-Duft. An ihr Essen. Das Jazz-Konzert, das wir mal besucht haben. An ihre kleine Wohnung. Und die erste Fahrt mit meinem eigenen Auto dorthin.

Knapp 2 Jahre und und nur wenige Tage später, am 02.02.2016, erlag auch meine andere Oma dem Kampf gegen den Krebs. In ihrer Traueranzeige stehen einleitend folgende Worte:

„Du bist nicht mehr da, wo Du warst. Aber Du bist überall da, wo wir sind.“

Dem ist, meiner Meinung nach, nichts mehr hinzuzufügen.

Ich bin ein verdammt verwöhntes Einzelkind

cash

Ich bin ein verwöhntes Einzelkind. Es hat mir nie an irgendwas gemangelt und es war selten, dass ich nicht das bekommen habe, was ich wollte. Jeden Monat gab es ein schönes Taschengeld und das habe ich gehütet und gespart, um mir die Sachen zu kaufen, die ich unbedingt haben wollte. In meinem Zimmer standen sage und schreibe 3 Sparschweine und ich weiß nicht einmal mehr, wofür die überhaupt gut waren.

Zumindest habe ich immer brav Geld beiseite gelegt und mir schon während meiner Schulzeit ein gutes Polster angespart. Dann kam die Uni. Ich hatte Glück. Während viele meiner Kommilitonen auf Bafög zurückgreifen mussten oder mindestens einen Job nebenher brauchten, bezahlten meine Eltern alles.

Ich muss zugeben, dass es mir zusehends peinlicher wurde, wenn ich sah, wie andere sich den Arsch aufreißen mussten, um über die Runden zu kommen, während ich in meiner schönen WG-Wohnung saß, hin und wieder in der Uni aufschlug und ansonsten faulenzte. Ich gönnte mir immer wieder was von dem Geld, das ich jeden Monat überwiesen bekam, setzte mir aber auch feste Budgets, die ich auch (meistens) einhielt. Irgendwann fing ich an, meine Ausgaben und Einnahmen minutiös festzuhalten.

Als ich mir zum Ende des Bachelors hin einen Job suchte, war das nicht weil ich ihn unbedingt brauchte, sondern weil ich endlich ein Stück Unabhängigkeit gewinnen wollte. Ich wollte etwas für meinen Lebenslauf tun und dafür sorgen, dass meine Eltern mehr Geld für sich einbehalten konnten. Es war mir unangenehm, dass ich mit 22 Jahren noch nie gearbeitet hatte (abgesehen von den obligatorischen Autowäschen für meinem Stiefvater, nachdem ich in der Zeit vor Telefon-Flats für eine horrende Telefonrechnung gesorgt hatte).

Auch während des Masters arbeitete ich und so wurde der Anteil meines selbstverdienten Geldes allmählich größer als der, der mir von meinen Eltern zugschustert wurde. Jetzt, wo ich endlich voll im Berufsleben angekommen bin, bin ich natürlich vollkommen unabhängig, was meine Finanzen angeht.

Und doch musste ich nie erfahren, was es heißt, wirklich hart arbeiten zu müssen. Ich war nie stinkreich, aber ich konnte mir immer Dinge leisten, die für andere vermutlich nicht im Rahmend es möglichen waren. Hier mal ein paar neue Klamotten, da eine neue DVD… Shoppen war und ist für mich ein Hobby.

Es ist ein Luxus, wenn man nicht jeden Cent zweimal herumdrehen muss, bevor man ihn ausgibt. Und es ist erst recht purer Luxus, wenn man mit 25 Jahren „mal eben so“ einen Neuwagen geschenkt bekommt. Ich war und bin verdammt verwöhnt und ich weiß das auch. Ich bin bin ungemein dankbar dafür.

Auch wenn ich mich noch immer oft genug dafür schäme, wie viel Glück ich in der Hinsicht immer hatte. Denn es macht einen manchmal blind für die Probleme anderer – weil man sie in der Form einfach nie hatte. Es macht einen irgendwie ignorant und ein Stück weit naiv. Es sorgt dafür, dass ich nicht gerne über Geld rede. Noch weniger als ohnehin schicklich ist.

Manchmal verstecke ich neue Dinge, die ich mir gekauft habe auch eine gewisse Zeit vor Leuten, die ich kenne, damit sie nicht sehen, dass ich schon wieder shoppen war.

Seit Anfang des Jahres schreibe ich meine Ausgaben nicht mehr auf. Hätte ich es die letzten Monate getan, wäre ich vermutlich vom Glauben abgefallen. Es ist nicht so, dass ich die Kontrolle über mein Geld verloren habe. Dazu achte ich nach wie vor zu sehr darauf.

Es sitzt gerade einfach nur etwas locker, frei nach dem Motto: „Gönnung muss sein.“

Aber wie viel kann oder sollte sich ein Mensch gönnen bevor es unverschämt und ungerecht wird? Der Satz „Ich gönne mir das jetzt mal.“ wäre bei mir absolut fehl am Platz, wenn ich mir außer der Reihe etwas kaufe. Und die Tatsache, dass ich den Gürtel nie wirklich enger schnallen musste, beängstigt mich ein wenig.

Was, wenn es wirklich mal sein muss? Werde ich dann wieder 3 Sparschweine haben müssen, um meine Finanzen zu verwalten? Und die Sparschweine in einen Safe stecken müssen, dessen Code ich nicht kenne damit ich bloß nichts ausgebe?

Geld ist zurecht ein Thema, das mit Vorsicht zu genießen ist. Besonders, wenn man so ein verdammt verwöhntes Einzelkind wie ich ist.

Fragt nicht nach dem Sinn dieses Beitrags. Es ist nur ein Thema, das mir schon lange durch den Kopf gespukt ist. Vermutlich musste ich nur meine Gedanken ein wenig ordnen und wieder klar kommen.

Bald folgen auch wieder gehaltvollere Beiträge. Versprochen.

Aber wenn wir schon mal beim Thema sind: Welche Beziehung habt ihr zum lieben Geld?

 

Weil auch Erwachsene mal das Klopapier vergessen

Kein Klopapier

Die letzten Monate liefen super. Das erkennt man daran, dass hier absolute Funkstille geherrscht hat. Leider neigt der Mensch ja doch eher dazu, sich ausgiebig über die Dinge im Leben auszulassen, die beschissen laufen, als über die, die wirklich schön sind.

Und da bin ich keine Ausnahme.

Aber um den allerersten Satz zumindest kurz zu spezifizieren:

Ein kleines Life-Update

Ich habe direkt zu Anfang des Jahres einen Job angefangen. Einen richtigen Erwachsenen-Job. Einen Job, der mich ungemein erfüllt und mir auch nach fast einem halben Jahr noch Freude macht. Allein das ist schon mehr, als ich mir letztes Jahr um diese Zeit erhofft hatte.

Ich habe meine erste Steuererklärung abgegeben – fast ohne Unterstützung. Und ich war auch noch pünktlich! (An dieser Stelle nochmal ein Gruß an alle, die auch am Abend des 30.05. beim Finanzamt waren, um ihren Wisch einzuwerfen).

Und ich plane möglichst dieses Jahr noch umzuziehen. Mein neues Gehalt macht mich zwar nicht steinreich, aber es reicht, um endlich meine kleine Studentenbutze verlassen zu können und mir was richtiges leisten zu können. Mit einer richtigen Küche. Und Platz für einen Esstisch.

Insgesamt kann ich mich aktuell also kaum beklagen. Der erste Schritt vom nervösen, zukunftsverängstigten Studenten zu einer nicht mehr ganz so nervösen, „erwachsenen“ Frau ist getan.

Und wenn ich es mir so recht überlege, war es alles im Grunde nur halb so schlimm. Ich schwebte regelrecht auf meiner eigenen kleinen Wolke des selbstbewussten, perfekt organisierten Young Professionals.

Bis ich mich eines Morgens mit meiner Lektüre auf der Toilette niederließ und feststellte: Ich habe kein Klopapier mehr. Und nicht nur im Bad. Ich hatte gar kein Klopapier mehr. Ich hatte einfach vergessen, welches zu kaufen.

Klopokalypse? Oder nur ein schlechter Wortwitz?

Und mit einem Mal löste sich diese Wolke unter mir auf, während ich, die Hose noch in den Kniekehlen hängend, in die Küche watschelte und eine Küchenrolle zur Hilfe holte.

Eine. ganze. Woche. lang.

Eine ganze Woche lang habe ich es nicht geschafft, neues Klopapier zu holen.

Und auf einmal fielen mir auch die ganzen anderen Sachen ein, die in der Zeit, die ich die letzten Monate sorgsam verdrängt hatte. Die Wohnung anständig putzen. Das Auto waschen. Pfandflaschen weg bringen und Altglas weg werfen. Diesen Blog hier pflegen!

Das meiste sind nur Kleinigkeiten, die ich mehr oder weniger bewusst unter den Teppich gekehrt habe. Ganz im Zeichen der vielbeschäftigten Arbeiterbiene, die Abends zu müde ist um zu putzen und die sich lieber direkt mit Netflix und einer Schale Chili sin Carne auf das Sofa haut.

Sport um 7 Uhr morgens geht voll klar, aber mal eben ein ausgelatschtes Paar Schuhe in der Mittagspause zum Schuster bringen? Himmelherrgott, nein!

Not a single f*** was given

Am Ende ist das alles ziemlich egal, wenn man mal ehrlich ist. Es ist keine Schande, wenn man sich eine Woche lang den Hintern mit Küchenrolle abwischt. Es ist nur nicht ganz so weich und erfordert mehr Arbeit, weil man das Papier erst in Stücke reißen muss.

Erwachsen sein oder überhaupt erst mal zu werden, heißt nicht, dass man alles perfekt machen muss. Und es ist für mich vielmehr beruhigend zu wissen, dass solche Kleinigkeiten mich nicht mehr aus der Ruhe bringen müssen. Ein Mal kurz resignierend mit dem Kopf schütteln reicht vollkommen aus. Denn im großen und ganzen mache ich doch schon sehr viel richtig.

Nur weil man ein Mal etwas vergessen hat oder seine Prioritäten anders setzt, bedeutet das nicht, dass einen das auf der menschlichen Entwicklungsstufe 10 Schritte zurückwirft.

Das Leben geht weiter. An der Tatsache, dass ich rein lebenstechnisch auf einem verdammt guten Weg bin, ändern auch diese Stolpersteinchen nichts.

So, keep calm, carry on and at least try to make sure you always have some bloomin‘ toilet paper at home!

Der größte Feind des Selbstbewusstseins

vergleichVergleiche sind schon etwas praktisches. Sie helfen uns dabei, uns und andere in einem größeren Kontext zu sehen und unsere Leistungen einzuordnen. Doch so praktisch sie sind, so toxisch können sie auch sein – nämlich wenn man sie zu persönlich nimmt und auf Bereiche bezieht, in denen sie eigentlich keinen Sinn machen.

Nehmen andere den Vergleich an mir vor, finde ich es nicht weiter schlimm. Wenn ich schlechter als jemand anderes abschneide, überlege ich mir woran das liegt und das Leben geht weiter. Weitaus schwerwiegender sind die Vergleiche, die ich mir selbst aufbürde und die nicht selten einen Hang zum Irrationalen haben. In nahezu allen Bereichen des Lebens ist es möglich, mit anderen zu konkurrieren. Das ist es auch, was die meisten Vergleiche prägt: Konkurrenz. Und für mich war das Gefühl, einem anderen Menschen in etwas nachzustehen, egal ob physisch, intellektuell oder charakteristisch gesehen, schon immer etwas, das ich nur schwer beiseite schieben konnte. Ich bin von Natur aus klein und schmal, was mich aber nie davon abhielt so viel schleppen zu wollen, wie Menschen, die eigentlich viel stärker sind als ich – einfach, weil ich nicht schwächer sein wollte. Wenn ich Menschen sehe, die erfolgreicher sind als ich, oder auf irgendeiner Ebene scheinbar mehr erreicht haben, ist das im ersten Moment ein Schlag ins Gesicht. Sofort frage ich mich, warum ich nicht so gut sein kann, wie andere, warum ausgerechnet bei mir alles länger dauert. Das nagt natürlich am Selbstbewusstsein.

In diesem Sinne sind Vergleiche sowohl größter Förderer, als auch größter Feind der Motivation. Andere und ihren Erfolg zu sehen, kann ein unglaublicher Ansporn sein, oder diese Tatkraft im Keim ersticken. Diese Tatsache wurde für mich selten so deutlich, wie in den letzten Wochen, die ich vor allem damit verbracht habe, Bewerbungen raus zu schicken. Denn, wer sich bei einer Firma bewirbt, wird mit Dutzenden von weiteren Bewerbern verglichen. Es kann sein, dass man direkt eine Absage bekommt. Manchmal dauert es aber auch mehrere Runden, bis der potenzielle Arbeitgeber sich, aus welchen Gründen auch immer, gegen einen und für jemand anderen entscheidet. In solchen Situationen über einen längeren Zeitraum hinweg immer wieder zu unterliegen, ist anstrengend, doch es bleibt einem nichts anderes übrig, als sich durchzubeißen.

Ähnlich verhält es sich mit Vergleichen im privaten Umfeld. Es wird immer diesen einen Freund geben, der viel mehr über ein bestimmtes Thema weiß als man selbst, oder der schon viel mehr im Leben erreicht zu haben scheint. All das kann, muss aber nicht, zu Missgunst und Neid führen. Dabei vergessen wir so häufig, dass der Akt des Vergleichens häufig unsinnig ist. Schließlich gibt es immer jemanden, der in etwas besser ist als wir und umgekehrt werden wir immer besser in etwas sein als andere.

Dieser Drang dazu, sich mit anderen zu messen, ist jedoch nur schwer abzuschalten. Wichtiger ist, wie man damit umgeht und dass man davon absieht, sich davon demotivieren zu lassen. Absagen zu bekommen, ist nach wie vor kein schönes Gefühl, doch wenn ich überlege, wie viele Firmen mich schon zum Bewerbungsgespräch eingeladen haben oder die Interesse an mir gezeigt haben, können meine Leistungen gar nicht so schlecht sein. Ich bin also auf einem guten Weg. Und auch wenn ich nicht viel über Technik und Computer weiß, kann nicht jeder mit meinem Wissen über Filmklassiker mithalten. Zu schnell vergisst man, dass die Medaille immer zwei Seiten hat.

Genau so gilt folgendes: Choose your battles wisely. Es bringt nichts, als Laie deine Fähigkeiten im Turmspringen mit denen eines Profis zu vergleichen. Suche den Vergleich nach Möglichkeit nur in Bereichen und mit Leuten, die deinem Stand und deinen aktuellen Fähigkeiten entsprechen. Alles andere führt nur zu unnötiger Frustration.

Nicht umsonst bezeichne ich im Titel den Vergleich als den größten Feind des Selbstbewusstseins. Schließlich müssten wir uns keine Gedanken darum machen, ob wir „gut genug“ sind, wenn wir nicht andere Menschen hätten, mit denen wir uns messen. Wir wären sonst einfach nur wir und vermutlich auch recht zufrieden damit. So ist das Leben aber nicht und deshalb kann ich jedem nur ans Herz legen, sich nicht verrückt zu machen, nur weil man weniger Geld verdient als jemand anderes, oder nicht so schnell durch den Park joggt. Außerdem weiß man nie, worum die anderen Menschen einen beneiden.