Du bist deines Glückes Schmied

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Als Jugendliche habe ich viel Zeit dafür aufgewendet, unangepasst zu sein. Ich habe mir mein Lippenpiercing stechen lassen, die Haare schwarz gefärbt – überhaupt war da sehr viel schwarz involviert – und Musik angehört, die außer mir keiner mochte. Es ging mir nicht primär darum, ein Ehrenmitglied im „Special-Snowflakes-Club“ zu werden, sondern ich fand es schön, in meiner eigenen Welt zu leben und einfach nur das zu tun, was mir gerade Spaß macht. Dass die meisten meiner Klassenkameraden damit nichts anfangen konnten, kümmerte mich nicht und auch dass ich mich dadurch in gewisser Weise von ihnen distanzierte.

So hundertprozentig egal war es mir dennoch nicht, was sie über mich dachten; zumindest, was den Unterricht angeht. Ich war schweigsam, aus Angst, mich mit falschen Antworten zu blamieren und das hat mir meine Abitur-Note am Ende etwas zerschossen. Und auch so habe ich mich selten in etwas eingemischt, auch wenn ich vielleicht anderer Meinung war als meine Klassenkameraden. Wirklich lösen konnte ich mich von ihrer Meinung also nie.

Das ist ein Zwiespalt, den wohl die meisten Leute mit sich ausfechten müssen. Auf der einen Seite möchte man sich abheben und sein eigenes Ding durchziehen. Auf der anderen Seite möchte man aber auch anerkannt und gemocht (oder wenigstens nicht abgelehnt) werden. Die wenigsten Leute, die ich kenne, scheißen – auf gut Deutsch gesagt – wirklich auf das, was andere über sie sagen. Diese Kompromisslosigkeit finde ich bewundernswert, solange man seine Mitmenschen nicht vollkommen vergisst.

Du bist für dich selbst verantwortlich

Die meisten von uns vergessen aber, dass wir selbst unser Glückes Schmied sind undn icht „die anderen“. Wenn wir nicht die Dinge tun, die wir tun müssen, um glücklich und erfolgreich zu sein, nur weil uns die Meinung anderer so wichtig ist, dann blockieren wir uns selbst. Das habe ich damals in der Schule mehr als genug miterlebt. Privat konnte ich mich in meiner Persönlichkeit ausleben, doch beim Thema Schule hemmte mich meine Angst extrem. Deswegen habe ich mein Potenzial nie ganz entfaltet.

Vor allem in den letzten Monaten ist mir mehr und mehr bewusst geworden, wie wichtig es ist, selbst die Zügel in die Hand zu nehmen und einfach mal zu machen, ohne sich darum zu scheren, was andere davon halten könnten:

Du hast eine Idee und willst ein Unternehmen gründen? Dann krieg‘ deinen Arsch hoch und mach es. Du willst dir ein Tattoo stechen lassen? Warum auch nicht. In ein paar Jahrzehnten werden fast alle unserer Kumpels im Altenheim tättoowiert sein. Du willst alleine eine Reise machen? Ja, warum auch nicht? Jeder muss seine eigenen Erfahrungen im Leben machen, um weiter zu kommen, sein eigenes Lehrgeld dafür bezahlen.

Menschen im Leben kommen und gehen, und wenn sie einen ablehnen wegen der Dinge, die man tut, dann sind sie einfach nicht diejenigen, die man in seinem Leben haben sollte. Wenn du die Dinge tust, die für dich richtig sind, ziehst du auch die Menschen an, die für dich richtig sind.

Das klingt im ersten Moment einfach, aber selbst ich weiß, dass es das nicht zwingend ist. Ich selbst werde nie jemand sein, der anderer Leute Meinungen einfach ausblenden kann, aber ich kann mir nach und nach Teile von mir zurückerobern und die konstruktive Kritik, die ich auf meinem Weg bekomme, nutzen um weiter zu wachsen.

Auf die innere Stimme hören

Es ist kein Neujahrsvorsatz, den ich erst 2018 umsetzen will, sondern mit sofortiger Wirkung: Ich will tiefer in mich hineinhorchen und herausfinden, was ich will. Was ich tun muss, um glücklich zu sein und danach zu handeln, auch wenn nicht alle meiner Mitmenschen das verstehen.

Ich kann mich einfach nur wiederholen: Wir sind unseres Glückes Schmied und wenn wir nicht endlich die Verantwortung dafür übernehmen, dann wird das niemand tun.  Mach dich frei von deinen Ängsten und nimm‘ dein Leben selbst in die Hand – nicht für andere, sondern für dich.

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Der größte Feind des Selbstbewusstseins

vergleichVergleiche sind schon etwas praktisches. Sie helfen uns dabei, uns und andere in einem größeren Kontext zu sehen und unsere Leistungen einzuordnen. Doch so praktisch sie sind, so toxisch können sie auch sein – nämlich wenn man sie zu persönlich nimmt und auf Bereiche bezieht, in denen sie eigentlich keinen Sinn machen.

Nehmen andere den Vergleich an mir vor, finde ich es nicht weiter schlimm. Wenn ich schlechter als jemand anderes abschneide, überlege ich mir woran das liegt und das Leben geht weiter. Weitaus schwerwiegender sind die Vergleiche, die ich mir selbst aufbürde und die nicht selten einen Hang zum Irrationalen haben. In nahezu allen Bereichen des Lebens ist es möglich, mit anderen zu konkurrieren. Das ist es auch, was die meisten Vergleiche prägt: Konkurrenz. Und für mich war das Gefühl, einem anderen Menschen in etwas nachzustehen, egal ob physisch, intellektuell oder charakteristisch gesehen, schon immer etwas, das ich nur schwer beiseite schieben konnte. Ich bin von Natur aus klein und schmal, was mich aber nie davon abhielt so viel schleppen zu wollen, wie Menschen, die eigentlich viel stärker sind als ich – einfach, weil ich nicht schwächer sein wollte. Wenn ich Menschen sehe, die erfolgreicher sind als ich, oder auf irgendeiner Ebene scheinbar mehr erreicht haben, ist das im ersten Moment ein Schlag ins Gesicht. Sofort frage ich mich, warum ich nicht so gut sein kann, wie andere, warum ausgerechnet bei mir alles länger dauert. Das nagt natürlich am Selbstbewusstsein.

In diesem Sinne sind Vergleiche sowohl größter Förderer, als auch größter Feind der Motivation. Andere und ihren Erfolg zu sehen, kann ein unglaublicher Ansporn sein, oder diese Tatkraft im Keim ersticken. Diese Tatsache wurde für mich selten so deutlich, wie in den letzten Wochen, die ich vor allem damit verbracht habe, Bewerbungen raus zu schicken. Denn, wer sich bei einer Firma bewirbt, wird mit Dutzenden von weiteren Bewerbern verglichen. Es kann sein, dass man direkt eine Absage bekommt. Manchmal dauert es aber auch mehrere Runden, bis der potenzielle Arbeitgeber sich, aus welchen Gründen auch immer, gegen einen und für jemand anderen entscheidet. In solchen Situationen über einen längeren Zeitraum hinweg immer wieder zu unterliegen, ist anstrengend, doch es bleibt einem nichts anderes übrig, als sich durchzubeißen.

Ähnlich verhält es sich mit Vergleichen im privaten Umfeld. Es wird immer diesen einen Freund geben, der viel mehr über ein bestimmtes Thema weiß als man selbst, oder der schon viel mehr im Leben erreicht zu haben scheint. All das kann, muss aber nicht, zu Missgunst und Neid führen. Dabei vergessen wir so häufig, dass der Akt des Vergleichens häufig unsinnig ist. Schließlich gibt es immer jemanden, der in etwas besser ist als wir und umgekehrt werden wir immer besser in etwas sein als andere.

Dieser Drang dazu, sich mit anderen zu messen, ist jedoch nur schwer abzuschalten. Wichtiger ist, wie man damit umgeht und dass man davon absieht, sich davon demotivieren zu lassen. Absagen zu bekommen, ist nach wie vor kein schönes Gefühl, doch wenn ich überlege, wie viele Firmen mich schon zum Bewerbungsgespräch eingeladen haben oder die Interesse an mir gezeigt haben, können meine Leistungen gar nicht so schlecht sein. Ich bin also auf einem guten Weg. Und auch wenn ich nicht viel über Technik und Computer weiß, kann nicht jeder mit meinem Wissen über Filmklassiker mithalten. Zu schnell vergisst man, dass die Medaille immer zwei Seiten hat.

Genau so gilt folgendes: Choose your battles wisely. Es bringt nichts, als Laie deine Fähigkeiten im Turmspringen mit denen eines Profis zu vergleichen. Suche den Vergleich nach Möglichkeit nur in Bereichen und mit Leuten, die deinem Stand und deinen aktuellen Fähigkeiten entsprechen. Alles andere führt nur zu unnötiger Frustration.

Nicht umsonst bezeichne ich im Titel den Vergleich als den größten Feind des Selbstbewusstseins. Schließlich müssten wir uns keine Gedanken darum machen, ob wir „gut genug“ sind, wenn wir nicht andere Menschen hätten, mit denen wir uns messen. Wir wären sonst einfach nur wir und vermutlich auch recht zufrieden damit. So ist das Leben aber nicht und deshalb kann ich jedem nur ans Herz legen, sich nicht verrückt zu machen, nur weil man weniger Geld verdient als jemand anderes, oder nicht so schnell durch den Park joggt. Außerdem weiß man nie, worum die anderen Menschen einen beneiden.