Keinen Plan für dein Leben? Voll okay!

Unentschlossen

Jeder von uns hatte wahrscheinlich diese eine Person in der Klasse, die scheinbar schon immer wusste, was sie aus ihrem Leben machen will; die gezielt daran arbeitete und dieses Ziel auch erreichte oder nun kurz davor steht. Diese Zielstrebigkeit habe ich immer bewundert, weil sie diese Menschen so erwachsen wirken ließ. Also hätten sie ihr Leben einfach im Griff.

Ich hingegen war schon immer eher das Fähnchen im Wind, das tat, was ihm gerade in den Sinn kam und was ihm halt gerade so gefiel. Einen Plan für mein Leben hatte ich also nie.

Deshalb hatte ich nie etwas, worauf ich hinarbeiten konnte. Als ich mein Abitur  2010 gemacht habe, hatte ich keine Ahnung von nichts – keine Vorstellung davon, was ich mit mir machen sollte. Studieren wollte ich schon, aber was? BWL? Weil es jeder tat und anscheinend eine sichere Bank ist? Dabei habe ich es doch gar nicht so mit Zahlen.

Am Ende entschied ich mich für ein Studium, bei dem die Chancen, in dem Bereich später auch zu arbeiten, schwindend gering waren. Ein Fach bei dem ich mir dafür sicher war, dass ich mich zumindest nicht in jeder Vorlesung bekotzen würde, weil ich es hasste.

Von Asienwissenschaften zum Finanzverlag

Ich studierte Asienwissenschaften. Eines, dieser typischen Fächer, bei dem sämtliche entfernten Verwandten auf jeder Familienfeier entgeistert fragen: „Und was macht man dann damit?“ Ich erzählte ihnen das übliche: Dolmetscherin, Auslandsreferenz, etc. Es war eine einstudierte Antwort, um die lästigen Fragen der Anderen abzuwimmeln. Denn die Sache war die: Ich wusste in etwa, was man generell damit machen kann, aber ich wusste nie, wo ich mich dabei sah. Und das empfand ich als noch lästiger.

So zog ich auch mein Studium recht planlos durch und kam recht bald zu der Erkenntnis, dass ich aller Wahrscheinlichkeit einen Abschluss in einem Gebiet erlangen würde, in dem ich nie arbeiten würde. Mein Fokus im Leben hatte sich einfach geändert. Ich sah mich  beruflich nicht mehr als „Asienwissenschaftlerin“. Ich wusste aber auch nicht, wo ich mich sonst sah.

Meine Nebenjobs waren im hiesigen Studentensekretariat und anschließend im Verkauf/Store-Management im Food-Bereich. Im Prinzip also alles wild durcheinander gewürfelt. Ich hatte halt nie einen Plan und bin nun in einem Finanzverlag gelandet, was ich erst recht niemals gedacht hätte und was mich gleichzeitig mehr erfüllt, als ich jemals gedacht hätte.

Deine Entscheidungen bestimmen nur einen Abschnitt deines Lebens

Was ich mit dieser extrem langen/langweiligen Einleitung sagen will, ist folgendes: Es gibt Leute, die ihr ganzes Leben durchplanen und ein Ziel nach dem nächsten von ihrer Liste streichen. Es gibt aber auch Leute wie mich und vielleicht auch dich, die nie wirkliche Pläne hatten und von einem Blatt zum nächsten springen. Und auch das ist vollkommen okay!

Gerade in der Schule wollen einem alle Erwachsenen einreden, dass die Entscheidung, was man studiert oder welche Ausbildung man macht, entscheidend für das komplette weitere Leben ist. Ich sage: Dem ist nicht so. Zumindest nicht mit dieser Dramatik, wie es einem in diesem Moment erscheint. Auch wenn man glaubt, den Grundstein für sein ganzes Leben mit dieser einen Entscheidung zu legen, so entscheidet sie nur über die Voraussetzungen für einen Lebensabschnitt. Was danach kommt, weiß kein Mensch!

Manche Leute merken nach 20 Jahren im Job, dass ihre eigentliche Berufung eine ganz andere ist. Oder man realisiert, dass dieses Ziel, auf das man Jahre hingearbeitet hat, einem nicht mehr so wichtig ist. Es kann einen jederzeit treffen.

Sich flexibel dem Leben und seinen Möglichkeiten anpassen

Deshalb sollte man sich auch nicht so stressen, wenn man z.B. in der Schule noch nicht weiß, in welchem Beruf man sich für den Rest seines Lebens sieht. Nichts ist für die Ewigkeit. Nichts ist in Stein gemeißelt. Das mag einerseits beunruhigend klingen, weil das eine ständige Instabilität bedeutet; ich würde es aber eher Flexibilität nennen. Hätte mir mein Studium nicht gefallen, hätte ich mich jederzeit umorientieren können. Und auch wenn mich mein aktueller Beruf irgendwann nicht mehr erfüllt, kann ich kündigen und ein neues Kapitel beginnen.

Keinen Plan zu haben, hat mich offener für Möglichkeiten gemacht, die ich andernfalls nicht erwogen hätte. Ich habe meine Fähigkeiten in Gebieten ausgeschöpft, die ich vorher nicht bedacht hätte und neue Kompetenzen entwickelt. Dafür bin ich dankbar.

Generell bin ich natürlich dafür, dass man jegliche Pläne und Träume, die man hat, auch verfolgt. Das Leben ist zu kurz für die ständige Was-wäre-wenn-Fragerei. Aber es ist auch zu kurz, um sich unnötig zu stressen, wenn man nunmal keinen konkreten Plan hat. Am Ende kommt meistens alles zusammen, denn das Glück findet sich auf so vielen unterschiedlichen Wegen. Und jeder geht seinen eigenen Weg auf seine eigene Weise.

Wenn du keinen Plan hast, sei offen für das Leben und die Möglichkeiten, die es dir bietet. Nutze sie und schaue, wo sie dich hinführen. Wenn du schon einen Plan hast, dann verfolge ihn, aber sei achtsam dabei und setze keine Scheuklappen auf, die dir den Blick für neue Chancen nehmen.

 

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Weggabelungen

weggabelung

In Anlehnung an meinen Post “Ich will alles. Nur nicht so ganz.”

Jeder weiß, dass das Leben nicht immer nach Plan verläuft und vor allem, dass der Weg nicht nur eine gerade Strecke ist. Immer wieder müssen wir stehen bleiben und uns die Optionen ansehen, die vor uns liegen. Manchmal sind es nur zwei. Manchmal sind es mehr. Und manchmal würden wir einfach am liebsten umdrehen und wieder zurücklaufen.

Continue reading „Weggabelungen“

„Ich will alles. Nur nicht so ganz.“

Sprung

„Vegan würde ich ja schon gerne mal ausprobieren, aber ich mag Fleisch so gerne. Das muss ja voll hart sein!“
„Ein bis zwei Jahre im Ausland wären schon geil, aber dafür muss man so viel planen. Wahrscheinlich klappt das sowieso nicht.“
„Eigentlich hätte ich gerne eine Beziehung, aber single zu sein ist so bequem. Da muss ich keine Kompromisse eingehen.“

Fast jeden Tag nehmen wir uns Dinge vor, die wir tun oder erreichen wollen. Egal, ob das nur Kleinigkeiten sind, die auf einem Klebezettelchen als To Do-Liste abgehakt werden, oder Dinge, von denen wir glauben, dass sie unser ganzes Leben verändern könnten. Was auch immer wir machen wollen, dieser gute Wille alleine reicht oft nicht. Continue reading „„Ich will alles. Nur nicht so ganz.““

Ein wertvolles Mitglied der Gesellschaft

GesellschaftAls Kind hatte ich nie einen besonderen Berufswunsch. Ich wollte nie Tierärztin werden oder Kindergärtnerin oder von mir aus auch Feuerwehrfrau, um die Klischees mal zu durchbrechen. Ich habe in der Grundschule wahnsinnig gerne Geschichten geschrieben, die rückblickend betrachtet mehr als makaber für mein zartes Alter waren, und ich habe gerne gemalt. Auch später war ich eher der Typ Person, den man gemeinhin als „kreativ“ bezeichnet.

Für beides hatte ich eine gewisse Leidenschaft, das Schreibe und das Zeichnen, doch als ich das Gefühl bekam, dass meine Zeichnungen einfach nicht gut genug waren, hörte ich damit auf. Das Schreiben begleitete mich aber ständig weiter – manchmal mehr, manchmal weniger intensiv. Hätte ich jemals einen wirklichen Berufswunsch gehabt, wäre es vermutlich Schriftstellerin gewesen.

Nach dem Abitur 2010 kam die Frage, was ich mit mir anfangen will. Die Entscheidungen, die du in der Zeit während des Abiturs und kurz danach triffst, kommen dir zu dem Zeitpunkt noch unglaublich wichtig vor. Du glaubst, dass du mit dem nächsten Schritt dein ganzes Leben bestimmst, doch dem ist nicht so. Nichts ist in Stein gemeißelt. Ich für meinen Teil hatte keinen konkreten Plan, keine Ambition. Ich wusste nur, dass ich Japan gerne mag, dass es das ist, was mich schon lange interessiert. Also bin ich nach Bonn gezogen und studierte Asienwissenschaften.

Wer immer eine Geisteswissenschaft studiert, kennt vermutlich die leidliche Frage: „Und was macht man dann damit?“ Würde ich für jedes Mal, wenn ich diese Frage höre 1€ bekommen, müsste ich nicht mehr arbeiten gehen. Und weil ich selber keine Ahnung hatte, erzählte ich allen, ich würde später „die Auslandskorrespondenz für deutsche Konzerne übernehmen“ oder „in eine japanische Firma in Deutschland gehen“. Das erzählte ich allen, die es hören wollten und versuchte es selbst auch zu glauben. Ich hatte ein Fach gewählt, von dem alle Welt zu glauben schien, dass man damit keinen „vernünftigen“ Job kriegen kann. Und ich gelangte selbst zu der Überzeugung, dass ich damit nur ein wertvolles Mitglied der Gesellschaft werden kann, wenn ich in die wirtschaftliche Richtung gehe.

Doch was ist ein wertvolles Mitglied der Gesellschaft?

Ist es nicht eigentlich ein Irrglaube, dass man nur nützlich ist, wenn man Arzt, Manager, oder Ingenieur wird? Kann man nicht auch nützlich sein, indem man Bücher schreibt, die Menschen berühren und sie wenigstens für ein paar Stunden aus ihrem tristen Alltag reißen? Oder wenn man Bilder malt, die sich Menschen in ihre Wohnungen hängen und Freude daran haben? Wer hat beschlossen, dass etwas kreatives weniger wichtig ist?

Je länger ich versucht habe auf dem Pfad der Vernunft zu wandeln und einen Kompromiss zu finden, desto mehr frage ich mich warum ich überhaupt Kompromisse eingehen muss.Warum nicht einfach machen, was ich will? Ist es das Risiko nicht wert?

Etwas zu tun, nur um sich der Illusion hinzugeben, dass man etwas realistisches macht – etwas, das von der Gesellschaft allgemein als erfolgreich und erstrebenswert angesehen wird, ist die größte Zeitverschwendung. Und doch hält es einen oft genug davon zurück, das zu tun, wofür man sich wirklich interessiert. Und selbst wenn diese Interessen sich ändern, scheiß drauf. Dann nimmt man halt eine neue Abzweigung und lässt alles weitere auf sich zukommen.

Ein wertvolles Mitglied der Gesellschaft ist nicht zwingend derjenige, der von 9 bis 5 im Büro sitzt und die Dinge tut, von denen er glaubt, dass er sie tun muss. Ein wertvolles Mitglied der Gesellschaft ist derjenige, der voll in dem aufgeht, was er tut und andere damit ansteckt – sie inspiriert.

Ich will endlich ein wertvolles Mitglied der Gesellschaft werden, aber auf meine Art.