Nostalgie für das Unbekannte

noastalgie

„No loss is felt more keenly than the loss of what might have been. No nostalgia hurts as much as nostalgia for things that never existed.“

Rabih Alameddine, an unnecessary woman

Wie oft stellen wir uns Szenen aus unserem Leben vor, die eigentlich nie passiert sind? Dieser eine perfekte Tag, oder diese eine perfekte Nacht, wo einfach alles passt. Manchmal sind es aber auch nur ganz kurze, aber prägnante Momente. Von manchen Szenen haben wir eine sehr klare Vorstellung: wir kennen den Ort, den Zeitpunkt, können sogar die Leute beim Namen nennen, die mit dabei waren. Und doch ist es nie passiert.  Wir haben lediglich das Drehbuch dafür verfasst.

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365 Tage Leben – und ein Blick in die Zukunft?

Feuerwerk

Während ich das hier schreibe, feiert eine meiner engsten Freundinnen ihren ersten Hochzeitstag. Heute vor einem Jahr hat sie geheiratet. Dabei fühlt es sich noch so frisch an, als wäre es erst gestern gewesen. Heute ist also definitiv noch nicht Silvester, doch Ereignisse wie dieses lassen einen trotzdem über das nachdenken, was einem bisher im Leben passiert ist, insbesondere in dieser einen Zeitspanne. Innerhalb dieses einen Jahres war ich zwei Mal in Schottland, habe eine Beförderung auf der Arbeit erhalten, angefangen meine Master-Arbeit zu schreiben und ich habe angefangen Ukulele zu lernen. Und natürlich waren da noch viele andere große und kleine Dinge, die ich an dieser Stelle nicht alle aufzählen kann.

Wenn ein neues Jahr anfängt, frage ich mich immer, was ich mit der ganzen Zeit machen soll, vor allem aber wie ich sie sinnvoll nutzen kann. Es werden Pläne geschmiedet von denen vielleicht die Hälfte wirklich umgesetzt wird. Nachdem ich dann 6 Monate so vor mich hin gelebt habe, weil „das Jahr ja gerade erst angefangen hat“, bekomme ich Panik. Das Jahr hat doch gar nicht gerade erst angefangen! Es ist schon wieder zur Hälfte vorbei! Und auf einmal geht alles ganz schnell, das Jahr ist vorbei und ein neues fängt an.

An Tagen wie heute wird mir immer bewusst, was andere Menschen mit ihrem Leben machen und was ich mit meinem Leben mache – vor allem aber, was ich damit machen könnte. Welche Chancen ungenutzt bleiben, aber auch welche ich ergriffen habe.

Dabei finde ich, dass die Zahl 365 so irreführend ist. Auf der einen Seite klingt sie nach so viel. 365 Tage an denen wir die Möglichkeit haben unser Leben selber in die Hand zu nehmen, doch jeder dieser Tage ist nur 24 Stunden lang. Und wie oft lässt einen Tag nach dem anderen einfach verstreichen? Aus 365 Tagen werden so schnell 320, dann 270; der Zähler geht immer weiter runter bis wir wieder mit Sektgläsern in der Hand auf den Straßen stehen und dabei zuschauen wie der Nachthimmel sich in bunten, glitzernden Farben ergießt.

Wie wird das Leben in einem Jahr aussehen? Es ist eine spannende und zugleich beängstigende Frage, denn obwohl es mit der Zeit so schnell gehen kann, ist sie zuweilen doch unberechenbar. Wo werde ich arbeiten? Wo werde ich leben? Werde ich jemanden an meiner Seite haben? Während sich für die einen kaum etwas ändern mag, kann sich für andere das komplette Leben in nur wenigen Monaten auf den Kopf stellen.

Zur Zeit befinde ich mich in einer Phase des Umbruchs und ich kann beim besten Willen nicht sagen, wie mein Leben 365 Tage später aussehen wird. Diese Vorstellung ist so beängstigend, aber auch so unheimlich aufregend. Ich bin mir sicher, dass ich arbeiten und eine eigene Wohnung haben werde, doch da hört es dann auch schon auf. Gerade wenn du dich wie ich zum Beispiel am Ende deines Wegs an der Uni befindest, oder auch wenn du gerade das Abitur gemacht hast und das Studium  oder die Ausbildung losgeht, dann wird es dir wahrscheinlich ähnlich gehen.

Und während manche scheinbar genau wissen, wie sie das Optimum aus diesen 365 Tagen herausholen, müssen andere von uns es noch lernen. Und dabei geht es nicht immer nur darum höher, schneller und weiter zu kommen. Man sollte immer nein sagen können, aber es ist genau so wichtig auch ja sagen zu können. Ja, zu neuen Erfahrungen und ja zum Sprung ins kalte Wasser. Es geht also auch darum Raum zu schaffen für spontane Entwicklungen.

Wie stehst du einem Jahr gegenüber? Begegnest du jedem neuen Schritt mit freudiger Erwartung, oder weißt du lieber genau, was auf dich zukommt?
Und vor allem: hast du eine Vorstellung davon, wo du dich in einem Jahr um die Zeit  in deinem Leben siehst?