Weil auch Erwachsene mal das Klopapier vergessen

Kein Klopapier

Die letzten Monate liefen super. Das erkennt man daran, dass hier absolute Funkstille geherrscht hat. Leider neigt der Mensch ja doch eher dazu, sich ausgiebig über die Dinge im Leben auszulassen, die beschissen laufen, als über die, die wirklich schön sind.

Und da bin ich keine Ausnahme.

Aber um den allerersten Satz zumindest kurz zu spezifizieren:

Ein kleines Life-Update

Ich habe direkt zu Anfang des Jahres einen Job angefangen. Einen richtigen Erwachsenen-Job. Einen Job, der mich ungemein erfüllt und mir auch nach fast einem halben Jahr noch Freude macht. Allein das ist schon mehr, als ich mir letztes Jahr um diese Zeit erhofft hatte.

Ich habe meine erste Steuererklärung abgegeben – fast ohne Unterstützung. Und ich war auch noch pünktlich! (An dieser Stelle nochmal ein Gruß an alle, die auch am Abend des 30.05. beim Finanzamt waren, um ihren Wisch einzuwerfen).

Und ich plane möglichst dieses Jahr noch umzuziehen. Mein neues Gehalt macht mich zwar nicht steinreich, aber es reicht, um endlich meine kleine Studentenbutze verlassen zu können und mir was richtiges leisten zu können. Mit einer richtigen Küche. Und Platz für einen Esstisch.

Insgesamt kann ich mich aktuell also kaum beklagen. Der erste Schritt vom nervösen, zukunftsverängstigten Studenten zu einer nicht mehr ganz so nervösen, „erwachsenen“ Frau ist getan.

Und wenn ich es mir so recht überlege, war es alles im Grunde nur halb so schlimm. Ich schwebte regelrecht auf meiner eigenen kleinen Wolke des selbstbewussten, perfekt organisierten Young Professionals.

Bis ich mich eines Morgens mit meiner Lektüre auf der Toilette niederließ und feststellte: Ich habe kein Klopapier mehr. Und nicht nur im Bad. Ich hatte gar kein Klopapier mehr. Ich hatte einfach vergessen, welches zu kaufen.

Klopokalypse? Oder nur ein schlechter Wortwitz?

Und mit einem Mal löste sich diese Wolke unter mir auf, während ich, die Hose noch in den Kniekehlen hängend, in die Küche watschelte und eine Küchenrolle zur Hilfe holte.

Eine. ganze. Woche. lang.

Eine ganze Woche lang habe ich es nicht geschafft, neues Klopapier zu holen.

Und auf einmal fielen mir auch die ganzen anderen Sachen ein, die in der Zeit, die ich die letzten Monate sorgsam verdrängt hatte. Die Wohnung anständig putzen. Das Auto waschen. Pfandflaschen weg bringen und Altglas weg werfen. Diesen Blog hier pflegen!

Das meiste sind nur Kleinigkeiten, die ich mehr oder weniger bewusst unter den Teppich gekehrt habe. Ganz im Zeichen der vielbeschäftigten Arbeiterbiene, die Abends zu müde ist um zu putzen und die sich lieber direkt mit Netflix und einer Schale Chili sin Carne auf das Sofa haut.

Sport um 7 Uhr morgens geht voll klar, aber mal eben ein ausgelatschtes Paar Schuhe in der Mittagspause zum Schuster bringen? Himmelherrgott, nein!

Not a single f*** was given

Am Ende ist das alles ziemlich egal, wenn man mal ehrlich ist. Es ist keine Schande, wenn man sich eine Woche lang den Hintern mit Küchenrolle abwischt. Es ist nur nicht ganz so weich und erfordert mehr Arbeit, weil man das Papier erst in Stücke reißen muss.

Erwachsen sein oder überhaupt erst mal zu werden, heißt nicht, dass man alles perfekt machen muss. Und es ist für mich vielmehr beruhigend zu wissen, dass solche Kleinigkeiten mich nicht mehr aus der Ruhe bringen müssen. Ein Mal kurz resignierend mit dem Kopf schütteln reicht vollkommen aus. Denn im großen und ganzen mache ich doch schon sehr viel richtig.

Nur weil man ein Mal etwas vergessen hat oder seine Prioritäten anders setzt, bedeutet das nicht, dass einen das auf der menschlichen Entwicklungsstufe 10 Schritte zurückwirft.

Das Leben geht weiter. An der Tatsache, dass ich rein lebenstechnisch auf einem verdammt guten Weg bin, ändern auch diese Stolpersteinchen nichts.

So, keep calm, carry on and at least try to make sure you always have some bloomin‘ toilet paper at home!