Rastlosigkeit – ein Mini-Pseudo-Podcast

Rastlosigkeit

In einem Anflug jugendlichen Leichtsinns habe ich den folgenden Beitrag nicht nur geschrieben, sondern auch als Audio-Datei aufgenommen. Höre ihn dir hier an und/oder lese ihn weiter unten wie gewohnt. Viel Spaß damit!

In letzter Zeit plagt mich eine unglaubliche Rastlosigkeit. Es gibt einfach zu viele Dinge, die ich tun will.

Ich will diesem Blog mehr Zeit widmen. Ich will wieder eine Geschichte, vielleicht sogar ein ganzes Buch schreiben. Ich will meine Fremdsprachenkenntnisse wieder auffrischen. Ich will lernen, wie man eine Mütze strickt. Und so weiter und so fort. Ich will, ich will, ich will.

Lauter große und kleine Projekte, reihen sich in meinem Kopf aneinander. Sie buhlen um meine Aufmerksamkeit und darum, dass ich endlich meinem Schweinehund in den Hintern trete. Es überfordert mich. Es ist einfach zu viel.

Also, mache ich nichts.

Und mit jedem Tag, der ungenutzt verstreicht, fühle ich mich nutzloser. Ich ärgere mich darüber, dass ich mich nicht aufraffen kann und das, was ich an Potenzial habe, jämmerlich verkümmern lasse. So viel machen zu wollen und doch davor zurück zu schrecken, ist auf Dauer anstrengend.

Ich habe mal gehört, dass es helfen soll, wenn man sich immer ein Projekt herauspickt und daran arbeitet. Multi-Tasking soll ja ohnehin nur ein Mythos sein. Eine Aufgabe nach der nächsten anzugehen, wirkt weniger kolossal und unlösbar, als diesen ganzen Berg einfach nur vor sich zu sehen – und zu verzweifeln.

Die Welt da draußen ist voll von Leuten, die anscheinend alles auf einmal machen, besonders im kreativen Bereich. Man ist nicht nur Blogger, sondern auch noch Podcaster, Lifecoach und macht nebenbei eine Ausbildung zum Ernährungsberater. Es ist verrückt. Vor allem, wenn man selbst auch gerne so ein Multitalent wäre, es aber nicht mal schafft, eine Sache anzugehen.

So verbringe ich mittlerweile einen nicht gerade kleinen Teil meiner freien Zeit damit, mich mit unwichtigen Tätigkeiten und Netflix zu beschäftigen.Wobei, eigentlich kann ich es auch ganz direkt sagen. Wir sind ja unter uns: Ich prokrastiniere vom feinsten, schaue mir ganz viele Videos zu den Themen Produktivität und Arbeitsmoral an. Astreine Selbsttäuschung!

Nur wirklich genießen kann ich es nicht, so wie in der Uni damals. Dort hatte ich Deadlines. Irgendwann musste ich mich auf den Hosenboden setzen und lernen. Ich habe die Zeit des herrlichen Nichtstuns so lange genossen, bis ich wusste, dass es langsam Zeit wurde, etwas zu tun. Dann wurde gearbeitet und es hat funktioniert. Jetzt setze ich mir meine Ziele selber und schiebe sie immer weiter auf. Das macht mich unruhig.

Schon vor mindestens 3 Jahren wollte ich im November beim Projekt NaNoWriMo teilnehmen, in der Hoffnung, dass es mich meinem ersten Buch näher bringt. Hat es natürlich nicht, weil ich nicht teilgenommen habe. Mir hat die zündende Idee gefehlt. Jetzt bin ich 26 und habe immer noch nichts in der Richtung geschafft. Vielleicht dieses Jahr?

Ich will nicht irgendwann den Löffel abgeben und mich über all die großen und kleinen Dinge ärgern, die ich nicht gemacht habe, weil ich überfordert war. Oder weil ich mich nicht getraut habe.

Ich werde nicht mehr mit Anfang 20 neben der Uni einen Bestseller veröffentlichen. Der Zug ist schon lange abgefahren, aber es ist definitiv noch nicht  zu spät, um was im Leben zu reißen. Und während es wahrscheinlich unmöglich ist, alles, was man sich irgendwie irgendwann mal vornimmt, auch zu schaffen, so gibt es doch ein paar Dinge, die auf jeden Fall machbar sind.

Und solange ich das Projekt, das mir am meisten am Herzen liegt, nicht zumindest begonnen habe, wird diese Rastlosigkeit auch nicht verschwinden.

Von welchem Projekt ich rede?

Das Buch.

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Fuck the essence.

titel

Der Titel ist der entscheidende Teil eines jeden Projektes. Es ist egal, ob es eine Hausarbeit für die Uni, ein Film oder ein Bild ist; ohne einen guten Titel geht nichts. Kurz und prägnant sollte er im besten Fall sein. Immerhin erregt er die Aufmerksamkeit der Menschen. Immerhin klingt „Breakfast at Tiffany’s“ um einiges schöner an, als „mittelmäßiger Schriftsteller verliebt sich in bindungsunfähiges Party-Girl“. Und wer hätte sich schon „Männer in bunten Anzügen bekämpfen das Böse in liebevoll gestalteter CGI-Landschaft“ angesehen, wenn er sich doch „Guardians of the Galaxy“ oder „The Dark Knight“ ansehen kann?

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„Ich will alles. Nur nicht so ganz.“

Sprung

„Vegan würde ich ja schon gerne mal ausprobieren, aber ich mag Fleisch so gerne. Das muss ja voll hart sein!“
„Ein bis zwei Jahre im Ausland wären schon geil, aber dafür muss man so viel planen. Wahrscheinlich klappt das sowieso nicht.“
„Eigentlich hätte ich gerne eine Beziehung, aber single zu sein ist so bequem. Da muss ich keine Kompromisse eingehen.“

Fast jeden Tag nehmen wir uns Dinge vor, die wir tun oder erreichen wollen. Egal, ob das nur Kleinigkeiten sind, die auf einem Klebezettelchen als To Do-Liste abgehakt werden, oder Dinge, von denen wir glauben, dass sie unser ganzes Leben verändern könnten. Was auch immer wir machen wollen, dieser gute Wille alleine reicht oft nicht. Continue reading „„Ich will alles. Nur nicht so ganz.““

Gepflegte Prokrastination

blume

Gibt es einen besseren Zeitpunkt um ein neues Playstation-Spiel zu kaufen, die Wohnung aufzuräumen oder einen neuen Blog zu starten, als wenn man eigentlich seine Master-Arbeit schreiben sollte?

Ein durchschnittlicher Student verbringt bestimmt 3/4 der Zeit damit, Aufgaben vor sich her zu schieben und 1/4 der Zeit damit, sie auf den letzten Drücker doch noch zu erledigen – nicht selten mit der Hilfe von einschlägigen, koffeinhaltigen Getränken und besonders nahrhaften Snacks. Außnahmen, die schon immer ihre Hausaufgaben direkt nach der Schule gemacht haben, anstatt sich vor den Fernseher zu setzen und Animes zu gucken, bestätigen die Regel.

Knapp 3 Monate vor der angepeilten Abgabe meiner Master-Arbeit sinkt die Motivation ins mikroskopische während die Panik, die zuerst nur unterschwellig unter der Oberfläche herumbodelte, nun mit voller Kraft hervorbricht. Was mache ich hier eigentlich? Und was mache ich, wenn das hier vorbei ist? Werde ich überhaupt etwas machen? Oder werde ich mich jetzt schon nach der passenden Bahnunterführung umsehen müssen, die mich und meine Habseligkeiten beherbergen kann?

Und obwohl ich eigentlich gut in der Zeit liege, sind sämtliche Tätigkeiten, die mich von meiner eigentlichen Aufgabe ablenken, hoch im Kurs. Nachdem ich nun aber wirlich zu viel Zeit mit Gilmore Girls gucken und Playstation zocken verbracht habe, dachte ich mir: Warum nicht mal was produktives machen? Warum nicht den Inhalt meines kleinen Hirns ausquetschen und ihn mit der (höchstwahrscheinlich vollkommen desinteressierten) Menschheit teilen? Ein Blog wäre doch mal die Idee!

Da hat man wenigstens was vollbracht. Jawohl!
Das nenne ich gepflegte Prokrastination auf einem Level, die eines Master-Studenten würdig ist. Mittlerweile hat zwar gefühlt jeder Zweite einen Blog, auf dem er tolle DIYs für leere Konservendosen teilt, aber warum sollte mich das davon abhalten, meinen Senf ebenfalls dazu zu geben? Wir wollen schließlich nicht mehr einen auf nonkonformer Hipster machen, als unbedingt nötig.

Wen es tatsächlich interessiert, was sich so tagtäglich in meinem privaten Tagträumer-Kino abspielt, sollte unbedingt wieder vorbeischauen (Eintritt kostenlos). Wer mit glutenfreien Backrezepten oder der Lösung für die globale Erderwärmung rechnet, dem rate ich weiterzuziehen und seine Zeit mit etwas sinnvollem zu verbringen. Solltest du nicht auch lernen?