Liebes 2016…

2016Nimm‘ das jetzt bitte nicht persönlich, aber wir müssen reden.

Ich will ehrlich mit dir sein: Du warst ein äußerst durchwachsenes Jahr. Während ich auf der einen Seite viele Erfahrungen mit dir gemacht habe, die für mich sehr wertvoll waren, hast du auf der anderen Seite auch vieles verbockt. Du hast so viele Menschen aus unserer Mitte genommen, die wir gerne noch ein Weilchen hier behalten hätten. Im Gegenzug hast du einen machthungrigen Troll, dessen Zurechnungsfähigkeit ich stark anzweifel, an die Spitze eines frustrierten Landes gesetzt. Was für eine Kombination! Und dann auch noch der Super-Gau bei den Briten! Na, herzlichen Dank…

2016, man kann über dich sagen, was man will, doch ich bin mir sicher, dass du ein Jahr bist, das keiner so schnell vergessen wird. Denn, so unbeliebt du im Moment auch sein magst, so prägend warst du doch für uns und ich hoffe, dass wir aus den Fehlern, die wir mit dir gemacht haben, für die Zukunft lernen können.

Natürlich kann man dir nicht an allem die Schuld geben. Und gewiss hattest du am Anfang auch ganz andere Pläne, wolltest alles richtig machen, aber seien wir mal ehrlich: Du hast genug getan und wir sind froh, wenn du in deinen wohl verdienten Ruhestand gehst. Irgendwann macht man alles halt doch nur noch schlimmer, je mehr man sich bemüht.

Sei also bitte nicht traurig, wenn wir uns morgen mit knallenden Sektkorken von dir verabschieden und uns jauchzend in die Arme fallen. Wir hatten alle eine anstrengende Zeit. Ein Tapetenwechsel ist nun angesagt; ein frischer Wind muss her.

Es besser für uns, wenn wir getrennte Wege gehen, denn wir haben einander in vielerlei Hinsicht nicht gut getan. Normalerweise müsste ich jetzt sagen: „Es liegt nicht an dir.“ Tut es aber doch. Und ich hoffe, dass 2017 etwas netter zu uns sein wird.

Hiermit verabschiede ich mich also ganz förmlich von dir, mit den legendären Worten aus dem, für mein Dafürhalten, besten Film der Herr-der-Ringe-Trilogie:

Verschwinde und komm‘ nie wieder!

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Fuck the essence.

titel

Der Titel ist der entscheidende Teil eines jeden Projektes. Es ist egal, ob es eine Hausarbeit für die Uni, ein Film oder ein Bild ist; ohne einen guten Titel geht nichts. Kurz und prägnant sollte er im besten Fall sein. Immerhin erregt er die Aufmerksamkeit der Menschen. Immerhin klingt „Breakfast at Tiffany’s“ um einiges schöner an, als „mittelmäßiger Schriftsteller verliebt sich in bindungsunfähiges Party-Girl“. Und wer hätte sich schon „Männer in bunten Anzügen bekämpfen das Böse in liebevoll gestalteter CGI-Landschaft“ angesehen, wenn er sich doch „Guardians of the Galaxy“ oder „The Dark Knight“ ansehen kann?

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Pokémon Go – Albtraum eines Misanthropen

pokemon

Wer erinnert sich nicht an sein erstes Pokémon-Spiel? Ich habe es damals abgöttisch geliebt und Stunden mit meinem Game Boy verbracht. Und eben weil dieses Spiel auf so viele weitere Menschen in meinem Alter so einen Einfluss hatte, war es nur natürlich, dass die Ankündigung von Pokémon Go wie eine Bombe einschlagen würde.

Weil ich zu den fiesen „Hipstern“ gehöre, die Neuheiten und Neuauflagen von Klassikern grundsätzlich meiden, hatte ich ursprünglich geplant das Spiel, im Gegensatz zu den mehreren Millionen Bekloppten rund um den Erdball, erstmal zu boykottieren. Am Ende installierte ich das Spiel noch am deutschen Erscheinungstag – und wurde schnell mit ein paar Problemen konfrontiert, die nur Leute, die genau so menschenscheu und misanthrop wie ich selbst veranlagt sind, verstehen können. Alle anderen werden mich wohl ab sofort für vollkommen gaga halten.

Warum muss ich mich einem Team anschließen um zu kämpfen?

Sicher, wir lernen schon in der Schule, dass Team-Spirit wichtig ist. Einer für alle und alle für einen und so, aber warum werde ich dazu gezwungen mich einem Team anzuschließen, wenn ich kämpfen will? Mich persönlich hat ja keines der Teams wirklich angesprochen, also habe ich mich dem gelben Team angeschlossen, weil das meinem Gefühl nach das zu sein schien, das den geringsten Beliebtheitsgrad hat. Ein bisschen rebellisch sind wir dann ja doch, ne? Aber einen wirklichen Nutzen haben die Teams anscheinend auch nicht, außer dass sie das so genannte „in-group bias“ voll ausschöpfen und zu Unfrieden zwischen den einzelnen Teams sorgen.

So viele Menschen…

Ich wiederhole: SO viele Menschen. Selbst als ich gestern Abend gegen 21 Uhr für einen kleinen Spaziergang nach draußen ging, kamen mir überall Menschen entgegen, die ihren Blick wie hypnotisiert auf ihre Smartphones geheftet hatten. Sogar in Rudeln sind sie durch die Straßen gestreift! Aber kein Wunder, wenn schon Treffen dafür organisiert werden, an denen lockere mehrer Dutzend Leute teilnehmen. Dabei wollte ich doch nur mal nach draußen und nebenbei ein paar Pokémon fangen, aber doch nicht wenn da so ein Massenandrang herrscht. Wo bleibt denn da die Entspannung? Abgesehen davon turnt es mich schon ab, wenn ich mich so einem Hype hingebe und Menschen sofort sehen können, dass ich ihm erlegen bin, weil ich genau das gleiche Verhaltensmuster an den Tag lege (was mich am Ende nicht unbedingt besser macht). Ich habe also einen großen Bogen um Menschenansammlungen gemacht, die sich ja besonders gerne bei den Arenen tummeln, aber auch um Gruppen, die aus zwei oder mehr Leuten bestanden. Und ich habe versucht, mich möglichst unauffällig zu geben. Ich will schließlich auch nicht, dass mir jemand aufs Trapez guckt, wenn ich eines von den Tierchen fangen will. Dabei habe ich mich rückblickend wahrscheinlich nur noch verdächtiger gemacht…

Wow, so kommunikativ!

Von vielen wurde an Pokémon Go gelobt, dass es einem erlaubt mit anderen in Kontakt zu treten. Wie schon erwähnt, sind gerade die Arenen ein beliebter Treffpunkt und laden dazu ein neue Leute Kennen zu lernen. Man kann sich austauschen oder mit Freunden zusammen losziehen. An sich ist es ein netter Gedanke und ich kann es verstehen, warum er allgemein so positiv aufgenommen wird, aber mir kann man mit diesem Feature keine Freude machen. Gerade an Videospielen habe ich immer geschätzt, dass sie vollkommen ohne die Interaktion mit anderen Menschen auskommen. Ich muss mich mit niemandem treffen und ich muss mit niemandem reden. Perfekt! Natürlich zwingt mich auch jetzt keiner dazu, mich in den nächsten Kreis von Pokémon Go-Spielern zu werfen und „Hier bin ich!“ zu schreien, doch ich fände es nett, wenn ich zumindest an einem Kampf teilnehmen könnte, ohne mich in diese Gefahrenzone bewegen zu müssen, in der die Gefahr angesprochen zu werden, exponentiell um ein vielfaches ansteigt. Ich bin ein Jäger und Sammler und kein Talkshow-Moderator.

Der Hype

Wer mich kennt weiß, dass ich nicht gut darin bin, mich von Anfang an einem Hype anzuschließen. Aus diesem Grund habe ich mich lange dagegen gewehrt Harry Potter zu lesen oder Game of Thrones zu gucken. Je größer der Hype, desto größer mein Drang zu flüchten.Im Grunde ist es schön, wenn viele Menschen die gleiche Leidenschaft teilen und man sich mit einem größeren Kreis darüber austauschen kann. Ich für meinen Teil fand es aber immer schöner etwas zu haben, von dem ich das Gefühl habe, dass es eben nicht jedem gefällt. Etwas, das ich für mich behalten kann und das meinem eigenen persönlichen Vergnügen dient, ohne dass jemand anderes seinen Senf dazu gibt. Bei so Geschichten wie Pokémon Go ist es, zumindest für eine gewisse Zeit, unmöglich ihnen zu entkommen. Jeder redet darüber. Jeder spielt es und jeder bindet es einem 24/7 auf die Nase. Das einzig Schöne an so eine Hype ist, dass er irgendwann abflaut und alles wieder seinen gewohnten Gang geht.

Ich muss sagen, dass ich das Spiel an sich für eine wunderbare Idee halte und dass es zugegebenermaßen viel Spaß macht, doch insgeheim ich freue mich jetzt schon auf den Moment, wenn die Menschentrauben sich allmählich auflösen und ich nicht mehr an jeder Ecke hören muss: „Boah nee, schon wieder ein Taubsi!“

Ach ja, habe ich schon was für ein befremdliches Gefühl das ist, wenn man seine eigene Nachbarschaft auf der Karte eines Spiels sieht?